Endlich ist der neue Roman um Inspector Lynley und Barbara Havers von Elizabeth George erschienen. Das unterschiedliche und doch so sympathische Ermittlerduo hat auch in diesem Buch wieder einige Höhen und Tiefen zu überstehen.
Gleich zu Beginn des Romans wird ein ermordeter Jugendliche auf einem Grabstein in London gefunden. Die Art der Aufbahrung und der Zustand der Leiche schockieren die Ermittler. Doch damit nicht genug. Als die ermittelnden Lynley und Havers erste Spuren und ähnliche Fälle verfolgen, stoßen die beiden auf eine ganze Serie von ermordeten Jugendlichen in verschiedenen Stadtteilen Londons. Die ersten Verbindungen und Überlegungen werden angestellt. Hat die Polizei bei den Ermittlungen geschlampt oder absichtlich Informationen zurückgehalten? Mittlerweile wurden vier Jugendliche auf brutalste Weise umgebracht. Die ersten drei sind alle dunkler Hautfarbe. Als die Presse Wind davon bekommt, ist das Geschrei nach einem Serienkiller und Rassendiskriminierung groß.
New Scotland Yard bemüht sich um Schadensbegrenzung, was nur teilweise möglich ist. Havers, noch nicht rehabilitiert aufgrund früherer Ereignisse, sieht wie ihr farbiger Kollege Nkata vom Ermittlungsleiter Hillier befördert wird, um an dessen Seite bei Pressekonferenzen gegen seinen Willen die Polizei in ein gutes Licht zu setzen. Der Groll bei den Kollegen gegenüber der Führungsspitze wächst.
Als schließlich ein fünfter toter Jugendlicher aufgefunden wird, ist die Presse nicht mehr zu halten. Der Druck auf die ermittelnden Beamten nimmt nicht nur aus den eigenen Reihen zu.
Die ersten heißen Spuren findet Barbara Havers bei einer Jugendorganisation, die sich um sozial auffällige Kinder kümmert. Doch was verbindet alle Opfer mit einander?
1988 erschien Elizabeth Georges erster Kriminalroman "Gott schütze dieses Haus", mit dem sie gleich einen großen Erfolg feierte. Sie erhielt mittlerweile alle namhaften Auszeichnungen, darunter den "Agatha Award" und den "Grand Prix de Litérature Policière". Für ihre Recherchen fährt sie mehrere Male im Jahr nach London, was man ihren Romanen anmerkt.
Die Liebe zum Detail und die ausgefeilten Charaktere, deren Auseinandersetzungen untereinander und der geschärfte Blick auf die Probleme unserer Zeit, machen aus ihren Büchern einen lesenswerten Spiegel der englischen Gesellschaft.
Dieser psychologisch ausgefeilte Roman gilt als einer der besten von Elizabeth George. Kurzum: Ein Pageturner, den man gerne verschlingt, auch wenn die sich ereignende Tragödie für Lynley nicht so schnell zu verschmerzen ist.
Elizabeth George
Wo kein Zeuge ist
(Originaltitel: With No One A Witness)
Blanvalet, Juni 2006
gebunden, 800 Seiten, EUR 22,95
ISBN 3764501650