Nachgeforscht: Die sieben Todsünden der Liebe ... und wie man sie vermeidet
Zuerst war es die große Liebe, dann endete es in einer Schlammschlacht - und nicht zum ersten Mal. Der Singleanteil der Bevölkerung wird immer größer, die Sehnsucht nach Liebe auch. Vielleicht ist an der Zeit, sich einmal zu fragen, warum es mit der großen Liebe einfach nicht klappen will. Und was wir tun können, um diesen leidigen Zustand zu beenden.
Dr. Alon Gratch, der New Yorker Psychologe und Psychotherapeut, ist davon überzeugt, dass die Mehrzahl seiner Patienten seinen Rat sucht, weil sie Probleme mit der Liebe haben. Liebe, meint er, sei ein Kernproblem ebenso wie eine grundlegende Sehnsucht in unserer hektischer werdenden Gesellschaft. Die sieben Todsünden der Liebe ist ein auf – halbfiktiven – Fallbeispielen gestützter Ratgeber, der versucht, die Ursache für das Scheitern der intimen Kommunikation aufzuzeigen und gleichzeitig Hilfestellungen anzubieten, mit denen man die fatalen Muster überwinden kann.
Das Buch ist interessanterweise in acht - nicht sieben - Kapitel aufgeteilt, die sich jeweils mit einer anderen Spielart gescheiterter Liebe befassen. Erst werden Symptome – Warnsignale – geschildert, dann ein Drei-Schritte-Programm entworfen, mit dem der Patient sich aus seiner Lage befreien kann. Dass dabei ein starkes Schubladendenken zugrunde liegt und dass das ein oder andere Geschlechterklischee wieder aufs Tapet kommt, darf nicht wundern, denn schließlich kann man Muster nur über die Verallgemeinerung erkennen.
Unterm Strich sind es zwei Ansätze, die immer wieder durchschimmern. Zum einen ist es der nachvollziehbare und sehr vernünftige Rat, nicht zu "polarisieren", das heißt, anstatt den Partner umerziehen zu wollen, sollte man lieber versuchen, sich ihm anzunähern. Die zweite wird für viele Leser vielleicht weniger einsichtig sein: Gratch vertritt die Ansicht, dass Liebesbeziehungen ein Nachleben der Eltern-Kind-Beziehungen sind und dass viele Ursachen für das Scheitern Erwachsener in ihrer Kindheit zu suchen sind.
Die letzte Frage, die sich stellt, ist, ob die Welt einen neuen Beziehungsratgeber überhaupt braucht. Der Markt sollte doch allmählich gesättigt sein. Trotzdem fällt das Urteil zugunsten der Sieben Todsünden der Liebe aus, denn egal ob man den Ansätzen des Autors in allen Punkten zustimmt oder nicht, so ist es dennoch ein fundiertes, durchdachtes Buch, das dankenswerterweise auf jegliche Pseudowitzigkeit verzichtet und die Probleme nicht auf "Ich Tarzan- du Jane" hinunterspielt. Leicht verständlich trotz Fremdwörter, sachlich, aber nicht trocken nimmt der Autor sich des Themas an und entwirft nachvollziehbare Anleitungen zur Problemlösung.
Fazit: Es kann also durchaus von Nutzen sein, sich, wenn man vom Pech in der Liebe verfolgt wird, an die eigene Nase zu fassen, die eignen Muster zu durchleuchten und sich zu fragen, ob es wirklich immer die anderen Schuld tragen oder ob das eigene Verhalten nicht auch modifiziert werden könnte. Denn letzten Endes sind es einfache Wahrheiten, die Gratch vermittelt. Nur sind sie oft schwer zu erkennen.
Alon Gratch Die sieben Todsünden der Liebe ... und wie man sie vermeidet Scherz Verlag, März 2005
284 Seiten, EUR 16,90
ISBN 3502142599