Wenn Kommissarin Mona Seiler sich selber analysieren müsste, käme sie sicher zu dem Schluss, dass in ihrem Privatleben nicht alles zum Besten steht. Zum Glück muss sie "nur" einen Killer fassen, der in der Umgebung eines berühmten Psychoanalytikers mordet. Dass allerdings ihr Undercovermann David größere seelische Probleme hat als geahnt, hilft der Lösung des Falls auch nicht unbedingt.
Gerade hat sich Mona entschlossen, mit ihrem langjährigen, doch leider kleinkriminellen Freund Anton zusammenzuziehen und plant schon den ersten gemeinsamen Urlaub, als ein grausamer Mord ihre ganze Aufmerksamkeit verlangt. Der Sohn des anerkannten Therapeuten Fabian Plessen wird nicht nur ermordet sondern auch mit einer geheimnisvollen Markierung gezeichnet. Monas schlimmste Befürchtung, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hat, scheinen sich zu bewahrheiten. Daraufhin schickt sie David Gerulaitis undercover in eines von Plessens Seminaren. Bald spitzt sich die Situation dramatisch zu.
Damals warst du still ist ein neuer Fall der Kriminalkommissarin Mona Seiler und ihrer cleveren, doch nicht unbedingt harmonischen Truppe. Weichei Patrick, Dickkopf Fischer und Cholesterinjunkie Bergmann treffen aufeinander, und zu Monas Leidwesen ziehen sie nicht immer an einem Strang. Umso reizvoller liest sich die angespannte Zusammenarbeit für den Leser, dem die eingespielten Ermittlerduos à la Elizabeth George hinlänglich bekannt sein dürften. Diesmal müssen sich die ungleichen Kollegen mit einem Fall von schmerzhafter Selbstbewältigung stellen. Interessant ist dabei die Verschmelzung der Krimihandlung mit tatsächlichen Einblicken in die - bisweilen umstrittene - Arbeit eines Therapeuten.
Reizvoll ist auch der Einsatz von zwei verschiedenen Zeitebenen, in denen die fortschreitenden Ermittlungen der Kriminaler und die charakterliche Entwicklung des Mörders parallel gezeigt wird. Leider kann die Auflösung des Falles nicht mit dem spannenden Aufbau mithalten. Letztendlich wirkt die Identität des Mörders doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen, und auch seine psychologische Entwicklung ist leider nicht wirklich in den Verlauf des Romans einbezogen. Dass mit Damals warst du still doch ein lesenswerter Krimi gelungen ist, liegt insbesondere an der souveränen Sprache der Autorin und an der lebendigen Charakterzeichnung der einzelnen Figuren.
Fazit: Spannender, wenn auch etwas konstruierter Kriminalfall