"Ha, genauso sind meine Eltern auch", möchte man sagen, wenn man das Buch von Adriano Sack "Heimreise" aus den Händen legt. Und wenn man um die 40 ist. Also zu jener Spezie Mensch gehört, deren Eltern sich mit dem revolutionären Gedankengut der 68er-Generation noch recht gut ausgekannt haben. Jene Zeit, die bis heute als Aufbruch in ein neues Gedanken-Zeitalter gilt, als junge Leute mit Konventionen brachen und Freiheit das oberste Gebot war.
Heute sind jene 68er selbst schon fast im Rentenalter. Die meisten von ihnen, bis auf ganz wenige Ausnahmen, längst angepasst an die Gesellschaftsnorm, die sie einst bekämpft haben. Bürgerlich durch und durch. Und doch beseelt von einem Ideal, das sich oft sogar hinter Anzug, Schlips und Krawatte zeigt. Wenn auch selten.
In 22 amüsanten und dennoch hintergründigen Geschichten arbeitet der Autor das Verhältnis der heute 40-Jährigen zu ihren Eltern auf und empfiehlt beiden Generationen, einen Blick in das Buch zu werfen. Was durchaus zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führen könnte. Immerhin seien genau diese Eltern, da ist sich der Autor sicher, die modernsten Alten, die man bisher gesehen haben. Zum einen modern und mit dem Motorrad auf dem Route 66 unterwegs, auf der anderen Seite noch immer darum bemüht, den Lebenspartner des Kindes genau unter die Lupe zu nehmen. Zum einem auf dem Yogateppich liegend ihre Zeit verbringen, zum anderen aber nicht in der Lage sind akzeptieren zu können, dass der eigene – schon längst erwachsene – Nachwuchs seine eigenen Wege geht.
Fazit: Unsere Eltern – ein unvollendetes Projekt, wie Adriano Sack in seinem letzen Satz bilanziert!
Adriano Sack
Heimreise - Ein Besuch bei unseren schwer erziehbaren Eltern Heyne, August 2005 222 Seiten, EUR 7,95 ISBN 345360010X