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Spannende Krimis PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jörg von Bilavsky, am 15-05-2006 10:37
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Im Sommer der MörderSeitenweise Spannung : Neue Krimis auf literature.de

"Es gibt keine langweiligen Sujets, nur langweilige Köpfe", mahnte Raymond Chandler seine Schriftstellerkollegen vor mehr als 60 Jahren. Diese Worte haben sich viele Krimiautoren gemerkt. Und seitdem ist kein Thema vor der Verwandlung ins Kriminelle mehr sicher. Mordende Schafe, rätselhafte Kunstwerke und irre Meeressäuger bevölkern die Tatorte in Krimis und Thrillern. Sprich: Alle Sujets sind reizvoll, wenn sie nur spannend verpackt sind.

Falsche Fährten, zwielichtige Charaktere und eine knisternde Atmosphäre bleiben nach wie vor die Garanten für einen fesselnden Kriminalroman. Lebensechte Beschreibungen, hintergründige Andeutungen sowie treffende Vergleiche sorgen sprachlich für Spannung und laden zum genussvollen Denken und Schaudern ein.
In die Irre, aber nicht ins Abseits führen. Das Unerwartete am Ende erwartbar erscheinen lassen und das Spannende als Entspannung darbieten. Gegensätze muss der clevere Krimiautor aufbauen. Gut und böse. Stark und schwach. Raffiniert und einfältig. Spannung entsteht durch Widersprüche und Kontraste.

Aber alle Spannung flacht ab, wenn die Figuren und die Handlung so glaubwürdig sind wie die Wettervorhersage für die nächsten zwei Wochen. Ein schlüssiger Plot ist das eine, realistische Charaktere sind das andere. Endlose Verfolgungsjagden gehören ebenso zu den "Spannungskillern" wie wilde Schießereien. Potenzielle Täter dürfen nicht zu perfekt, müssen anziehend und abstoßend zugleich sein. Ähnliches gilt mittlerweile auch für die Ermittler. Charakterliche Schwächen und handwerkliche Fehler machen die Helden zu Menschen. Im entscheidenden Moment aber darf sie ihr Instinkt, ihr Mut und ihr Scharfsinn nicht verlassen.

Natürlich macht sich jeder sein eigenes Bild von den Ermittlern, Tätern, Opfern und der Verbrechensbekämpfung. Für jeden sind andere Gefühle und Gedanken, Ängste und Hoffnungen relevant. Aber für Spannung sind alle Menschen empfänglich. Wer diese effektvoll aufbauen, halten und abbauen kann, hat die Leser auf seiner Seite. Sie folgen ihm in die abenteuerlichsten Gefilde, egal ob die Reise ins provinzielle Kirchzarten oder ins urbane New York führt. Denn was zählt, ist einzig und allein  Spannung.

Der Terror lauert überall

Der Shootingstar der deutschen Krimi-Szene, Oliver Bottini, sucht das Abenteuer im beschaulichen Schwarzwald und findet den Terror vor den Toren eines Bauernhofs. Eine alte Scheune brennt, der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr rückt an und plötzlich geht ein illegales Waffendepot in die Luft: Wer hat es angelegt? Wer hat es zerstört? Und wer lässt dafür sechs Menschen kaltblütig über die Klinge springen? Neonazis, serbische Kriegsveteranen, Al-Qaida-Kämpfer oder ...?

Fragen, die nicht nur die Freiburger Kriminalkommissarin Louise Bonì beschäftigen, sondern auch die Männer vom LKA, BKA und BND auf Trab halten. Kompetenzstreitigkeiten und schemenhafte Verdächtige machen der eigensinnigen Ermittlerin ebenso zu schaffen wie einige der Kollegen, die ihr nach einem Drogenentzug nicht mehr viel zutrauen.


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Obwohl ihr die gärenden Familien-, Beziehungs- und Alkoholprobleme gelegentlich die Sicht vernebeln, entdeckt und verfolgt sie zielstrebig die heißesten Spuren. Diese führen sie schließlich in die Fänge der skrupellosen Täter und machen sie zur Zeugin äußerst fragwürdiger Methoden der internationalen Terrorismusbekämpfung.

"Im Sommer der Mörder" lebt nicht allein vom hochbrisanten Sujet oder den geheimnisvollen Verbrecherjagden durch das dichte Gehölz des Schwarzwalds. Oliver Bottini weiß die psychischen Verletzungen seiner Heldin, ihrer Freunde und Widersacher spannend miteinander zu kontrastieren. Jede seiner Figuren verbirgt vor den anderen schmerzliche Geheimnisse, die der sprachgewandte Autor Kapitel für Kapitel enthüllt. Bis die Ermittler, Täter und Opfer als Menschen mit all ihren Sorgen, Wünschen und Fehlern erkennbar werden.

Verwundete Seelen treffen bei Bottini auf vernichtete Leben und suchen nach Erlösung. Der Buddhismus-Experte hat nach seinem preisgekrönten Erstling "Mord im Zeichen des Zen" nun auch dem Nachfolger die fernöstliche Lebensphilosophie verordnet und die Überwindung des menschlichen Leidens zum Motor der Geschehens gemacht. Vom Leiden zum Leben ist es eben ein spannender Weg.

Mörderische Erlösung

Sam Bourne - Die GerechtenSam Bourne alias Jonathan Freedland hat für sein Thrillerdebüt "Die Gerechten" einen größeren Maßstab gewählt. Nicht die Provinz, sondern die ganze Welt wird bei ihm zum Schauplatz des Verbrechens. Und New York zu ihrer Schaltzentrale. Eine Metropole, die nicht gerade arm an mysteriösen und abenteuerlichen Geschichten ist. Dort scheinen sie quasi auf der Straße zu liegen und in den Hinterhöfen zu lauern. Der Journalist und Sachbuchautor Freedland hat sie aufgeschnappt und zu einem nervenzerreißenden Thriller verdichtet.

In Bournes Roman spielt Religion keine erlösende, sondern eine verhängnisvolle Rolle. Religiöse Fanatiker wollen das Jüngste Gericht auf die Probe stellen und töten dafür in aller Welt Menschen, deren Gerechtigkeitssinn besonders stark ausgeprägt ist. All diese Morde und ihre tiefere Bedeutung blieben unentdeckt, geriete nicht Will Monroe, ein hoffnungsvoller Nachwuchsreporter der "New York Times", ins Fadenkreuz der Apokalyptiker. Als seine Frau Beth aus unerklärlichen Gründen entführt wird, macht er sich mit Wut und Verzweiflung auf die von zahlreichen Rätseln behinderten Suche.

Unterstützung findet er bei ehemaligen Studienfreunden, mit denen er die Kidnapper ausfindig macht und die ihn in die geheimnisvolle Welt des jüdischen Lebens und Glaubens begleiten. Aber erst die Dechiffrierung kabbalistischer Symbole und rätselhafter SMS-Botschaften weisen ihm den Weg zu den Tätern und deren Motiven. Gerade mal vier Tage bleiben ihm, um seine Frau und vielleicht sogar die gesamte Menschheit zu retten.

In der knapp bemessenen Zeit wird der ungestüme und hartnäckige Journalist verhört, verfolgt, verprügelt, verhaftet. Bourne schildert diese Szenen plastisch, voller dunkler Fährten und dramatischer Übergänge. Der gnadenlose Countdown, die Ungewissheit über den Verbleib der Ehefrau und die Absichten der Mörder sorgen für reichlich Nervenkitzel und treiben den Leser von einer Seite zur nächsten.

Die esoterisch-spekulative Schnitzeljagd ist plausibel, weil Fiktion und Realität erstaunlich dicht verzahnt sind. Kabbalistische Zahlenmystik und modernste Satellitentechnik schließen sich in diesem Thriller genauso wenig aus wie fanatischer Glauben und kühler Verstand. Was Bourne über jüdische Legenden und Bräuche oder den Redaktionsalltag bei der "New York Times" berichtet, basiert zu einem Gutteil auf penibel recherchierten Tatsachen. Als ehemaliger Reporter der "Washington Post" weiß er um eine gut gebaute Story, als Brite mit jüdischen Vorfahren um den Widerstreit von Religion und Vernunft. Genau aus diesen Erfahrungen und Gegensätzen schlägt er jene Funken, die die Phantasie des Lesers entzünden.

Der "Dritte" Mann

Der englische Schriftsteller und Filmproduzent Peter James schert sich wenig um Religion, Terror und den Weltuntergang. Bei ihm findet das Verbrechen gerne mal im Freundeskreis statt. In seinem Romandebüt "Stirb Ewig" endete ein feucht-fröhlicher Junggesellenabend mit einem "Mordsspaß", dem Begräbnis des zukünftigen Bräutigams.

Wer in seinem neuesten Thriller "Stirb Schön" das erste Opfer sein wird, ist auch schon bekant: Eine junge Frau, für die das Rendezvous mit ihrem Geliebten vorzeitig und tödlich endet. Ob der Augenzeuge dieses Mordes ihr Schicksal teilen muss, wird erst im Herbst dieses Jahres verraten. Wenn "Stirb Ewig" in den Regale und Schaufenster der Buchhandlungen zu finden ist. Der Mörder jedenfalls hat den Mitwisser bereits im Visier. Man darf also gespannt sein.


Letztes Update: 08-08-2006 14:37

Veröffentlicht in : Magazin, Specials
Schlüsselworte : spannung, krimi, bottini, bourne, im sommer der mörder, die gerechten, paprotta, rodrian
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