Eine Zufallsbekanntschaft weckt das - gänzlich unromantische - Interesse der Hobbyphilosophin Isabel Dalhousie. Ein Mann, an dem erst vor kurzem eine Herztransplantation vorgenommen wurde, leidet unter seltsamen Schmerzen, die in der Vision eines Mannes mit Schlupflidern und einer Narbe enden. Wer ist der Mann und in welcher Verbindung steht er zu dem Herz des Toten?
Isabel Dalhousie, Anfang vierzig, Herausgeberin einer kleinen Philosophiezeitschrift und chronisch neugierig, ist anfangs sehr misstrauisch, als ihre Zukunftsbekanntschaft Ian ihr erzählt, dass sein neues Herz seltsame Visionen mit sich gebracht habe. Der ehemalige Psychologe sieht das Gesicht eines Fremden, den er nie im Leben getroffen hat. Mehr und mehr ist er überzeugt, dass sein neues Herz sich an den Mann erinnert.
Trotz ihres Zweifels arbeitet sich Isabel in die Materie „Zellgedächtnis“ ein und findet Informationen, die ihr Interesse wecken. Schließlich ermittelt sie die Familie des Spenders, der einem Unfall mit Fahrerflucht zum Opfer gefallen ist. Doch sie findet nicht nur die trauernde Mutter sondern auch deren Lebensgefährten, der aufs Haar Ians Schilderung von dem unheimlichen Fremden gleicht.
Mit Das Herz des fremden Toten ermittelt McCall Smiths Heldin Isabel zum zweiten Mal vor der romantischen Kulisse Edinburghs. Doch nicht nur der Fall beschäftigt sie sondern auch die Erforschung ihres eigenen Herzens, denn Isabel gesteht sich endlich ein, dass sie sich in den Ex-Freund ihrer Nichte Cat verliebt hat, einen fünfzehn Jahre jüngeren Mann, der in ihr die typische gute Freundin sieht. Das Problem, wie man moralisch vertretbar mit der Eifersucht umgehen kann und soll, ist nur eine der philosophischen Fragen, die hier gestellt werden.
Insgesamt wird deutlich, dass McCall Smith mit Mord nicht viel am Hut hat. Während sein erster Miss-Isabel-Roman In Edinburgh ist Mord verboten noch ein einigermaßen klassischer Krimi war, nähert sich die Fortsetzung in Stil und Haltung noch weiter seinen Romanen um Mma Ramotswe und ihrer No. 1 Ladies Detective Agency an. Wichtig ist ihm die Frage, wie man das Leben betrachten und welchen Werte man zur Grundlage seiner Handlungen nehmen soll. In Isabels Fall vollzieht sich diese Überlegung in abschweifenden Gedankenfolgen, die in ihrer Alltäglichkeit einen ganz eigenen Charme versprühen. Oder haben Sie sich schon einmal überlegt, ob es Diebstahl ist, am Frühstücksbuffet drei Brötchen zu nehmen?
Fazit: Die Philosophie des Mordens einmal anders - zurückhaltend und charmant.
Alexander McCall Smith Das Herz des fremden Toten Ein neuer Fall für Miss Isabel
(Originaltitel: Friends, Lovers, Chocolate)
Übersetzt von Thomas Stegers
Blessing
283 Seiten, EUR 16,95
ISBN 3-89667-264-9