Eine Polizistin mit einem schrecklichen Kindheitstrauma, eine Leiche in Polizeihandschellen und ein Toter, der doch nicht so tot ist, wie es scheint - das sind die Zutaten für diesen neuerlichen Beweis, dass sich deutsche Mörder nicht vor ihren internationalen Kollegen zu verstecken brauchen.
Julia Brenner ist mit Leib und Seele Polizistin, doch ihre Vergangenheit birgt ein düsteres Geheimnis. Als sie sich plötzlich Aug in Aug mit dem Mann gegenübersieht, der ihr ihre Kindheit gestohlen hat, brennt bei ihr eine Sicherung durch. Sie entschließt sich zur Rache, und als sie wieder klar denken kann, ist der Mann tot. Bald zieht sich die Schlinge noch enger um sie, als ihr Kollege und Erzfeind Rick "Löwe" Leonhard die Ermittlung übernimmt.
Doch nicht nur Julia hat Probleme, auch die ungleichen Schwestern Tatjana und Sieglinde stehen vor der Herausforderung ihres Lebens. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, hat nur Tatjana geschafft, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen. Sie hat reich geheiratet, während ihre ältere Schwester anschaffen geht und immer tiefer abrutscht. Um Geld zu machen, wendet sie sich an ihren Schwager. Ihr Ziel ist Erpressung. Bald gibt es die erste Leiche.
Blut im Schuh ist die in sich geschlossene Fortsetzung von Ilse Goergens erstem Mosel-Krimi Genau sein Kaliber. Wieder steht die gezeichnete Heldin Julia Brenner im Mittelpunkt, die sich diesmal am Scheideweg von Vergangenheit und Zukunft befindet. Erstere droht sie endgültig zu vernichten, während ihr gleichzeitig in ihrem treuen Kollegen Heiner die Möglichkeit vorschwebt, endlich vorwärts zu schauen.
Die Handlung, die die Autorin entwirft, ist trotz der Kürze des Romans gut strukturiert und actionreich, dennoch wirkt Blut im Schuh unfertig. Die Charaktere - vor allem Sieglinde und Tatjana - wirken trotz aller Lebendigkeit zu klischeehaft, um wirklich mitzureißen. Die zahlreichen Möglichkeiten, der Geschichte Tiefe zu verleihen, werden leider nicht ausgeschöpft. Da ist zum Beispiel der arrogante Rick Löwe in seinem Spannungsverhältnis aus abgewiesenem Liebhaber und ehrgeizigem Polizisten, der zwar interessant eingeführt wird, sich dann aber mit einer Statistenrolle begnügen muss.
Außerdem fehlt für einen als "Moselkrimi" angekündigten Roman das regionale Flair. Zwar spielt die Geschichte erkennbar in Trier, doch die Szenerie wird für einen Ortsunkundigen nicht wirklich lebendig. Insgesamt wäre es schön, wenn Ilse Goergen sich in ihrem nächsten Roman einfach mehr Zeit lassen würde, um Charaktere und Atmosphäre intensiver zu entwickeln.
Fazit: Leichte Krimiunterhaltung ohne Tiefgang.
Ilse Goergen Blut im Schuh Bookspot Krimi
172 Seiten, EUR 9,95
ISBN 3-937357-11-4