"Berliner Zimmer" als Publikumsmagnet : 700 deutsche Titel auf dem International Book Festival in Budapest
Lebendige Einblicke in seine Literatur und Kultur bot Deutschland auf dem International Book Festival in Budapest vom 20. bis 23. April 2006. Zwei Jahre nach Deutschlands Auftritt als Ehrengast in Ungarn war das Buchfestival nun erneut ein Anlass, den Literaturaustausch und die engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verdeutlichen.
Trotz der angespannten politischen Atmosphäre im Umfeld der ungarischen Parlamentswahlen zog die Buchmesse rund 50.000 Besucher in ihre Hallen – im Vorjahr hatten die Veranstalter einen Rekord von 61.000 Besuchern verzeichnet. Auf einer Gesamtfläche von 1.600 qm stellten 550 Verlage aus Ungarn, den Nachbarländern und aus anderen Staaten rund 50.000 Titel aus. Im Mittelpunkt des Festivals standen die Gegenwartsliteratur und das Verlagswesen des Ehrengastes Spanien. Insgesamt nahmen Autoren aus 23 Ländern teil – die meisten davon aus Deutschland. Von den über 250 Publikums- und Fachveranstaltungen weckten vor allem die Lesung des Literatur-Nobelpreisträgers Imre Kertész, aber auch die Programmpunkte des "Berliner Zimmers“ am deutschen Gemeinschaftsstand großes Interesse.
Deutscher Gemeinschaftsstand mit "Berliner Zimmer"
Deutschland präsentierte sich am Gemeinschaftsstand der Frankfurter Buchmesse mit einer Buchausstellung, die rund 700 Titel aus ca. 200 Verlagen umfasste – mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts. Den Schwerpunkt bildeten Neuerscheinungen aus den Bereichen Belletristik und Kinder- und Jugendbuch. Interessenten konnten die deutschen Titel direkt am Stand bei der ungarischen Buchhandlung BNB aus Szeged kaufen.
Eine zusätzliche Attraktion war die Autorenplattform "Berliner Zimmer“: dreieinhalb Messetage unter anderem mit Lesungen und Signierstunden von 13 Berliner Autorinnen und Autoren, darunter Detlef Bluhm, Götz Aly, Gerd Loschütz und Katja Lange-Müller. Das "Berliner Zimmer" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg und der Leipziger Buchmesse. Partner des Budapester Auftritts waren außerdem die Frankfurter Buchmesse, die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das Goethe-Institut Budapest, der Privatsponsor Claus Michaletz, der ungarische Verlegerverband und das Budapester Buchfestival. Das Projekt war einer der großen Publikumsmagneten des Buchfestivals, der unter anderen auch Prominente wie den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zu seinen Lesungen zog.
Stabilisierter Buchmarkt
"Nach einem großen Boom der ungarischen Verlagsbranche im Jahr 2005 hat sich der Markt 2006 bereinigt und stabilisiert sich nun zunehmend. Dies ist deutlich auf dem Buchfestival zu spüren“, äußerte sich der Direktor des Buchfestivals, Péter László Zentai, zu den aktuellen Entwicklungen am ungarischen Buchmarkt. Auf der Frankfurter Buchmesse hatten sich im vergangenen Jahr 22 ungarische Verlage in Einzelausstellungen präsentiert, neun weitere Verlage nutzten den Gemeinschaftsstand des ungarischen Verlegerverbands.
Preise und Auszeichnungen
Wie schon in den Vorjahren diente das Festival als Anlass für die Verleihung der wichtigsten Preise des ungarischen Buchhandels und Verlagswesens: So zeichnete zum Beispiel die ungarische Abteilung des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch (www.ibby.org) die besten ungarischen Kinder- und Jugendbücher aus. Am European First Novel Festival nahmen Autoren aus 14 Ländern teil, aus Deutschland war Gernot Wolfram vertreten. Zwei Auszeichnungen wurden von Staatschef László Sólyom persönlich überreicht: Der spanische Schriftsteller Jorge Semprún wurde mit dem Budapester Festivalpreis ausgezeichnet. Cingiz Ajtmatov aus Kirgistan, der zweite Ehrengast des diesjährigen Buchfestivals, erhielt das Offiziersordenskreuz der Republik Ungarn.