Nach dem mitteldeutschen Heldenepos: Die Nibelungen
Einst lebte da der junge Prinz Siegfried glücklich mit seiner Königsfamilie am Hofe von Xanten. Doch ganz so glücklich war die Familie nicht, denn Siegfried war ungeheuer stark und hatte seine Kraft kaum unter Kontrolle. Aber auch er wurde eines Tages erwachsen und so bekam er von seinem Vater die Aufgabe, in die große, weite Welt zu ziehen und sein eigenes Leben zu beginnen.
Trotz seiner gewaltigen Kraft ist Siegfried Kraft aber ein ganz liebenswerter, freundlicher, aber auch naiver Mensch. Etwas verunsichert tapst er durch die Welt, ist sich gar nicht sicher, wo sie überhaupt anfängt, bis er schließlich auf eine Schmiede trifft. Voller Freude stimmt er zu, als der Schmied vorschlägt, ihn auszubilden. Doch bald sind alle anderen Arbeiter eifersüchtig auf den starken Siegfried, für der Umgang mit dem schweren Eisen und dem Hammer ein Leichtes ist. So beschließen sie nach einiger Zeit, ihn auf bösartige Weise loszuwerden und schicken ihn zum Kohle holen in die falsche Richtung.
Statt zum Köhler, gelangt er in eine Schlucht, wo ein gefährlicher Drache haust. Doch Siegfried kann ihn ohne weiteres besiegen, badet in dem Blut des Drachens und wird so unverwundbar.
Als er weiterzieht, trifft er schließlich auf die Könige Nibelung und Schildbung, die gerade versuchen einen Schatz zu teilen. Aber da sie sich nicht vertrauen können und sich immer wieder gegenseitig betrügen, soll Siegfried den Schatz teilen.
Doch dann kommt alles anders. Als die Könige anschließend versuchen ihn zu töten, kann er sich nur wehren, in dem er sie selbst tötet.
Da der Schatz nun ihm gehört, ist er ein reicher Mann. Alles was ihm nun noch fehlt, ist allerdings eine Frau. So beschließt er nach Worms zu gehen, wo die Burgundenkönige Gunter, Giselher und Gernot regieren. Denn sie haben eine Schwester, die die schönste Frau vom ganzen Land sein soll. Ihr Name ist Kriemhild. Doch nicht nur Siegfried versucht ihr Herz zu erobern und so gilt es zunächst allerhand Probleme zu lösen. Da werden Intrigen gesponnen und heuchlerisch Vertrauen gewonnen. Es liebt sich, wer sich nicht lieben darf und auch die Zauberei ist nicht ganz ohne Bedeutung.
Der Autor spricht viele Themen wie Liebe, Abenteuer, Vertrauen und Krieg an, zusätzlich enthält das Epos mehrere Handlungsstränge. Somit ist die Erzählung an sich sehr komplex, doch hier wird der Inhalt wie eine Geschichte erzählt: ansprechend, leicht verständlich und nachvollziehbar. Daher ist das Märchen auch für Kinder geeignet, die durch Zuhören oft mehr Informationen aufnehmen können als durch eigenständiges Lesen.
Bei dem mitteldeutschen Heldenepos handelt es sich ursprünglich um ein Lied. Der Ursprung dieser märchenartigen Erzählung wird aber nicht verheimlicht, sondern der Erzähler geht auf Hintergründe wie das Nibelungenlied selbst, dessen Entwicklung und verschieden Versionen, ein und liefert sogar Interpretationsansätze für die Beweggründe des Handelns der einzelnen Protagonisten. Diese Deutungsanstöße sind dabei passend in die Geschichte eingebaut und wirken sich unterstützend auf das Verständnis aus, ohne zu theoretisch zu wirken.
Somit greift der Erzähler die Fragen, die sich dem Zuhörer beim Lauschen der Geschichte unmittelbar stellen, auf und beantwortet sie.
Der Sprecher zeichnet sich durch eine deutliche, intonierte und emotional angepasste Sprache aus. Die Dialoge sind so vorgetragen, dass man die einzelnen Personen ohne weiteres auseinander halten kann und die entsprechenden charakteristischen Eigenschaften der handelnden Personen herauszuhören sind.
Die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln sind musikalisch untermalt und runden die Geschichten ab.
Fazit: Ein lohneswerter Hörgenuss, um dieses berühmte und komplexe Heldenepos kennen zu lernen.
Michael Köhlmeier
Die Nibelungen Erzählt von Henning Venske audiolino Zwei Audio-CDs, Lauflänge: 156 Minuten,12,90 Euro ab 9 Jahren ISBN: 3-938482-26-5