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Wiedersehen in Barsaloi PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gisela Luedtke, am 12-04-2006 15:00
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hofmann_barsaloi.jpgBesuch in einem anderen Leben, Dokumentation der Erinnerungen:  Wiedersehen in Barsaloi

In ihrem Erstlingswerk “Die weiße Massai“ schrieb Corinne Hofmann von ihrer Liebe zu dem Samburukrieger Lketinga, die sie dazu veranlasste ihr bisheriges Leben in der Schweiz aufzugeben und ein neues Leben in der Wildnis Afrikas zu beginnen. Nach vier Jahren emsig-mühseligen Buschlebens flüchtet sie, seelisch und körperlich zermürbt, mit ihrer damals eineinhalbjährigen Tochter Napirai zurück in die Schweiz. 

In dem Nachfolgewerk „Zurück aus Afrika“ beschreibt die Erfolgsautorin ihre Ankunft in einer zivilisierte Welt. Die Umstellung von einer naturbelassenen, rauen Kultur zu einer skurrilen, modernen Kultur ist nicht leicht. Viele Fähigkeiten, die man zum Leben in Europa braucht, muss sie neu erlernen. Nun ist auch das dritte Buch „Wiedersehen in Barsaloi“ von Corinne Hofmann auf dem Buchmarkt erschienen, in dem sie von ihrem Besuch in Afrika berichtet und dabei die vier Jahre Buchleben mit all seinen Problemen aus einer distanzierteren Position heraus noch einmal Revue passieren lässt.

Schon länger hatte Corinne Hofmann den Wunsch ihr afrikanisches Zuhause und ihre afrikanische Familie zu besuchen. Doch erst durch die Anerkennung ihrer Scheidung von Lketinga in Afrika wurde es für sie möglich diesen Wunsch zu erfüllen. In einer dreiwöchigen Reise sucht sie nochmals die Orte und die Menschen ihrer Vergangenheit auf. Auch den Dreharbeiten der Verfilmung ihres literarischen Erstlingswerks wohnt sie bei und hält alle Impressionen in ihrem neuen Buch „Wiedersehen in Barsaloi“ fest.

Auf ihrer Reise in die alte Heimat flammen viele Erinnerungen an schöne, aber auch an prekäre Erlebnisse wieder auf. Nicht nur persönliche Probleme, wie z.B. die Eifersucht ihres damaligen Ehemannes, sondern auch generelle Probleme, wie z.B. die Beschneidung junger Frauen mit Rasierklingen vor der Heirat, werden von der Autorin thematisiert. Allerdings merkt man deutlich ihre distanziertere Haltung, die sich auch im Schreibstil manifestiert. So schuf sie mit „Wiedersehen in Barsaloi“ keinen emotionalen Frauenroman, sondern eher eine Dokumentation.

Immer wieder fallen ihr Dinge auf, die sie in der Schweiz als selbstverständlich ansieht, die im Busch jedoch reiner Luxus sind. Auch kulturbedingte Unterschiede bezüglich Riten und dem Rollenverständnis von Mann und Frau bemerkt sie. Jedoch versucht sie diese nicht zu verurteilen nur, weil sie nicht der europäischen Lebensnorm entsprechen. Z.B. zeigt sie, dass die Beschneidung junger Frauen vor der Heirat für die Mädchen schlimme Folgen haben kann, aber sie zeigt auch, dass dieser Ritus zur afrikanischen Kultur gehört und nicht von heute auf morgen wegzivilisiert werden kann. Demgegenüber stellt sie auch die Veränderungen fest, die durch den Einfluss moderner Konsumgesellschaften nun langsam in Afrika Fuß fassen. Plastik ist so eine tolle neue Errungenschaft des moderneren Lebens. Corinne Hofmann bemerkt aber auf der anderen Seite auch Verluste, die diese Modernisierung mit sich bringt. Das Leben in ihrer alten Heimat wird immer kurzweiliger und emotional ärmer. Kaum einer, zumindest nicht in den großen Ballungszentren, hat noch die Zeit stundenlang Neuigkeiten auszutauschen, wie es doch im Busch von je her Sitte war. Alles hetzt von Termin zu Termin und die Menschlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Nur an den entlegensten Orten findet Corinne Hofmann noch die Ruhe und die Fröhlichkeit des Buschlebens. Sie stellt immer beide Seiten der Medaille dar, sowohl die Positive als auch die Negative und zieht am Ende ihres Werkes schließlich eine Erkenntnis aus ihren Impressionen. Auch wenn sie Kenia liebt, leben würde sie dort nicht mehr wollen.

Corinne Hofmann dokumentiert mit ihrem neuen Werk gleich drei Lebensebenen: 1. ihre Erinnerungen an ihr altes Leben im Busch, 2. das Leben der Afrikaner heute im Umbruch zwischen Tradition und Moderne und 3. ihre aktuelle Reise durch Afrika. Die Sprache ist schlicht, verständlich und distanziert, auch wenn ab und zu von ein paar vergossenen Tränen berichtet wird. Untermauert sind die Impressionen der Autorin durch schöne Buntphotographien. Corinne Hofmann betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern stellt in distanziertet, objektiver Sicht die Vor- und Nachteile vieler Probleme Afrikas, aber auch der modernen Zivilisation dar.

Corinne Hofmann
Wiedersehen in Barsaloi
A1 Verlagsgesellschat, Mai 2005
223 Seiten, EUR 19,80
ISBN: 392774378X

Hier bestellen:



Letztes Update: 18-04-2006 09:59

Veröffentlicht in : Buch, Biographie
Schlüsselworte : barsaloi, afrika, massai, corinne hofman, hofman, zurück aus afrika, weiße massai, afrikanische Kultur, erinnerungen, biographie
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