Ein gelungener Lesespaß: Das Geheimnis der Gaukler
Seit vier Tagen ist Marius, der Bote, mit dem geheimnisvollen Brief schon unterwegs. Begleiter wird er von seinem sprechenden Raben Goldauge, der immer wieder voranfliegt, um die Gegend zu erkunden. Ihr Ziel ist die Rabenburg. Bei Sturm wird Goldauge von einer Böe hinaus aufs Meer getragen. Nur mit größter Anstrengung entgeht der Vogel dieser lebensgefährlichen Situation, nur um später auch noch von einem Blitz gestreift zu werden. Doch er wird von einem Mädchen namens Xenia gerettet. Sie nimmt ihm mit auf Schloss Falkenhorst, der Burg von Herzog Friedbert von Falkenhorst.
Kaum ist Goldauge wieder bei Kräften, fliegt er los, um nach Marius zu suchen. Er findet ihn nicht. Marius ist mittlerweile wohlbehalten in der Burgküche angekommen. Xenia besitzt ebenfalls einen Vogel. Florine ist allerdings kein Rabe, sondern ein Papagei. Dennoch weisen die Vögel eine Gemeinsamkeit auf. Beide haben ein goldenes Auge.
Marius und Goldauge müssen weiter zur Rabenburg, die Herzog Friedberts Bruder gehört. Die beiden Brüder sind verfeindet. Ein Krieg droht. Doch zunächst muss dem Haushofmeister Malediktus erklärt werden, wer Marius ist. Dass er ein Bote ist, der Fürst Heinrich von Rabenstein einen Brief bringen soll, darf natürlich hier niemand wissen. So lügt Xenia aus Not und behauptet, dass Marius ein Gaukler ist. Doch da er ein großes Festmahl auf der Burg ansteht, soll Marius sich zunächst als Küchenjunge verdingen. Meister Goldauge muss sich unterdessen versteckt halten, weil Raben hier auf der Burg sehr unbeliebt sind.
Marius ist das Leben auf der Burg nicht geheuer. Er macht seltsame Beobachtungen. Da kann die Geschäftigkeit, die auf der Burg herrscht nicht darüber hinweg täuschen. Sein Misstrauen wächst, Marius möchte am liebsten schnell weiter und seinen Brief, der hier nicht sicher ist, endlich überbringen. Doch die Burg wird so gut bewacht, dass an eine Flucht nicht zu denken ist. Zwar versteckt er den Brief in der Kammer, doch Xenia muss beobachten, wie Marius Kammer von zwei Männern durchsucht wird. Die Diebe scheuen sich nicht, dass Siegel zu brechen und den Brief zu lesen. Nun hält auch Xenia und Marius nichts mehr auf und sie lesen den Brief. Dieser enthält ein Friedensangebot, das den drohenden Krieg zwischen den Ländereien der Brüder verhindern soll. Den beiden Kindern obliegt es nun, die Verschwörung, die im Gange ist, abzuwenden.
Die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, ist bezaubernd und geheimnisvoll. Der Autor schafft eine perfekte Atmosphäre vor einer außergewöhnlichen Kulisse, der weitläufigen Burg. Dazu kommt die mysteriöse Herkunft der Kinder Marius und Xenia. Wer sie wirklich sind, ist eine gelungene Überraschung. Interessant ist auch die Rolle der beiden Vögel, die immer mal wieder zum Streiten aufgelegt sind. Und gerade dieses bunte Quartett, die Kinder und ihre sprechenden Vögel, sind dazu auserwählt, die beiden verfeindeten Brüder wieder zusammenzuführen. Zwar handeln sie nicht immer durchdacht, das würde man von Kindern auch nicht erwarten, dafür sind sie einfallsreich und bereit, auch mal etwas zu riskieren. So kommen die Kinder sehr glaubwürdig rüber und man begleitet sie gern bei ihrem Abenteuer. Auch die anderen Charaktere wurden perfekt ausgearbeitet, bis hin zu den weniger bedeutenden Figuren. Aber vor allem der Erzählrhythmus stimmt.
Fazit: Das Buch zu lesen, macht sehr viel Spaß.
Fortunato Das Geheimnis der Gaukler ab 12 Jahren
Baumhaus Verlag, Januar 2006
395 Seiten, gebunden, EUR 14,90
ISBN 3833936703