Berliner Blut: Mörderische Erotik Ullrich Wegerich wittert hinter jeder Berliner Ecke „Sex and Crime“
„Robbie, was machen wir denn jetzt?“, fragt die hilflose Assistentin ihren Kommissar, als sie bei den Ermittlungen in einem Mordfall nicht mehr weiter weiß. Solche und noch viel banalere Statements flattern dem Leser entgegen, wenn er den ersten Berlin-Krimi von Ullrich Wegerich aufschlägt. An dieses schlecht sitzende Sprachkorsett muss man sich gewöhnen, wenn man wissen möchte, wer die erotische Tischlerin Carmen Schwarzenau auf bestialische Weise ermordet hat.
Dem bärbeißigen Kommissar Robert Mannheim bleibt da nur fragen, fragen und nochmals fragen. Wer hat die Tote gekannt, geliebt oder gehasst. Streng nach dem Leitfaden kriminalistischer Ermittlungsarbeit. War es vielleicht der Hausbesitzer, der sie aus ihrer schäbigen Altbauwohnung am Klausener Platz in Charlottenburg vertreiben wollte und eine Spur zu weit gegangen ist. Oder war es vielleicht einer ihrer gutaussehenden Liebhaber, dem aus Eifersucht die Sicherung durchgebrannt ist. Oder war es vielleicht doch die lesbische Geschäftspartnerin, die sie nach einer kurzen Affäre von der Bettkante stieß. Fragen über Fragen.
LIEBE, SEX UND EIFERSUCHT
So wird denn ein Verdächtiger nach dem anderen aufgesucht und nach allen Regeln der konventionellen Verhörkunst ausgefragt. Unspektakulärer, enervierender und klischeehafter wie in diesem Roman ist bislang noch in keinem anderen Regionalkrimi ermittelt worden. Und selten sind die Beamten bei ihrer Arbeit so sehr zu Sklaven ihrer Sexualhormone geworden wie in diesem Buch. Permanent werden Verdächtige nach dem Grad ihrer sexuellen Attraktivität taxiert, so dass es fast zwangsläufig zum Geschlechtsverkehr zwischen einem der Ermittler und einer verführerischen Zeugin kommen muss. Auch in den äußerst zahlreichen und monotonen Privatgesprächen dreht sich alles um die Themen: Liebe, Sex und Eifersucht.
Dass eine erotische Fotoserie von der Ermordeten letztlich dem Täter zum Verhängnis wird, ist deswegen ebenso wenig überraschend wie die Auflösung des Falls selbst. Der promovierte Soziologe Wegerich hat weder hinter die „von den Medien gemalten Hauptstadtkulissen“ geblickt, wie es im Klappentext so abgedroschen heißt, noch hat er seinen Figuren einen unverwechselbaren Charakter verliehen. Ein blasser Hauptstadtkrimi mit blassen Hauptfiguren, der dramaturgisch wie sprachlich enttäuscht.
FAZIT: So spannend und erotisch wie eine preußische Dienstvorschrift.
Ullrich Wegerich Berliner Blut Verlag Könighausen & Neumann, Juni 2005
264 Seiten, € 18,00
ISBN 3-8260-3054-0