Krimis gelten vielen Literaturkritikern nicht als Literatur. Komisch, werden doch auch hierzulande massenweise Krimis nicht nur im Bahnhofsbuchhandel an den Leser gebracht, sondern auch die Verkaufszahlen der Buchhändler sprechen ihre eigene Sprache. Dies können ja nicht alles Verlegenheitsgeschenke sein.
Seit mehr als 10 Jahren sind die Krimis um Kommissarin Julia Durant und die neue Reihe um die Staatsanwältin Elvira Klein und den Offenbacher Kommissar Peter Brandt mehr als nur ein Geheimtipp. Die ersten Auflagen der letzten Bücher waren in kürzester Zeit ausverkauft.
Am 12. Januar 1954 in Quedlinburg geboren und nach einem Abschluss in Wirtschaftsenglisch und -französisch, betätigte sich Franz als Drummer in verschiedenen Bands. Nach verschiedenen Jobs und einer kaufmännischen Ausbildung gründete er 1990 sein eigenes Übersetzungsbüro. Nebenher erarbeitete er u.a. für Polizeidienststellen graphologische Gutachten. Diese Kontakte blieben für seine Romane sehr wichtig. 1986 verfasste er mit "Der Finger Gottes" seinen ersten Roman. Jedoch dauerte es geschlagene 10 Jahre bis zur Veröffentlichung.
Für Andreas Franz gibt es keine bessere Gattung innerhalb der Belletristik, die den Leser so tief in menschliche Abgründe blicken lässt. Kleinigkeiten lassen ansonsten friedfertige Menschen zum Mörder werden. Es sind die alltäglichen, größeren und kleineren Verbrechen, die in Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien vorgedrungen sind, über die er schreibt. Realistische Schilderungen des Abgrunds der menschlichen Seele zeichnen seine Bücher aus. Seine manchmal direkte Sprache trägt zu einem realistischen Leseerlebnis bei.
Ein, zwei neue Kapitel fließen aus der Feder des Autoren an einem kreativen Tag. Zudem ist viel psychologisches Einfühlungsvermögen und eine große Menge an Recherche nötig. In seinem in Kürze erscheinenden neuen Roman "Unsichtbare Spuren" begibt sich Hauptkommissar Sören Henning auf die Suche nach dem Mörder an einem jungen Mädchen. Schon fünf Jahre zuvor hatte es eine Tote gegeben. Zufall? Henning gerät ins Visier des Täters und muss nun schnell handeln, bevor noch ein Mord passiert. Mag das neue Buch auch noch härter als die Vorgänger sein, beruht es doch auf einer wahren Begebenheit.
So ist es immer wieder das Thema "Mißbrauch", das bei Franz in den unterschiedlichsten Facetten auftritt. Wichtig, aufrüttelnd und authentisch zugleich. Mit Andreas Franz hat die deutschsprachige Krimiliteratur einen würdigen Vertreter gefunden.