Royales Kaugummi- Wenn ein Werk sich in die Länge zieht- Der vierte König
Das Leben eines Königs könnte durchaus interessant sein. Es könnte zeigen wie ein Land regiert wird oder welche politischen Zwiste zu Lebzeiten des Königs ausgefochten werden mussten. Im Falle der Biographie von Johann ohne Land könnte der Leser sogar erfahren wie zwiespältig das Verhältnis zwischen König und Kirche zu dieser Zeit war oder wie wichtig es war Territorium einzunehmen und Vasallen zu binden, um den Machtanspruch zu wahren. Jedoch haben Sylvie von Frankenberg und Katrin von Glasow es nicht geschafft diese wichtigen Informationen in den Vordergrund zu stellen und überlagern die Biographie des Königs mit emotionalem Liebesgewäsch und den Lebensgeschichten der Frauen des Hofstaats, wodurch der Roman unerträglich lang wird.
Johann ohne Land wurde als jüngster Sprössling von Henry II. von England und seiner Gemahlin Alienor von Aquitanien 1166 geboren. Nachdem sein Vater und sein älterer Bruder gestorben waren, wurde Johann zum König geweiht. Sein Leben widmete er ganz dem Kampf, dem Kampf um Mutterliebe, den Kampf um Anerkennung und dem Kampf gegen Frankreich. In drei Episoden über die Kindheit von Johann ohne Land und sieben Kapiteln , welche die Herrscherzeit des Adeligen thematisieren, wird der Monarch als ein sich nach Mutterliebe sehnender, unfähiger König beschrieben, der am Ende des Werkes nur auf Rache aus ist und nicht begreift, dass auch er einmal sterben muss.
Johann ohne Land tritt in dieser Romanbiographie jedoch zu oft in den Hintergrund der Erzählung. Stattdessen werden die Lebensgeschichten der Frauen in seinem Umfeld wiedergegeben. Zu diesem Kreise der Grande Dammes gehören seine Mutter Eleonore, seinen erste Ehefrauen Havise von Glouchester, seine zweite Ehefrau Isabelle von Angoulême und seine Geliebte Graefin Therese ("Tess") von Louisville. Man erfährt viel über den Status der Frau um 1200 oder über das Verhältnis der adeligen Damen zueinander, über ihren Arbeitsalltag, usw. Das sind sicherlich alles wissenswerte Informationen, würden sie nicht zu ungunsten der Lebensgeschichte des Königs erzählt. Summa Summarum ergibt meine grobe Schätzung, dass ca. 70 % des Buches nicht von dem Monarchen handeln.
Nicht nur, dass sich durch die Wiedergabe der Lebensgeschichten der Frauen das Buch in die Länge zieht und man sich etappenweise durchringen muss jede weitere Seite zu lesen, frustrierend ist es sicherlich für denjenigen, der sich nach der Lektüre des Klappentextes dieses Buch mit dem gutgläubigen Anspruch gekauft hat ein Buch über den König Johann ohne Land zu lesen. Verzweifelt wird sich dieser Mensch die paar Stellen raussuchen müssen, die tatsächlich von dem Monarchen handeln.
Fazit: Ein Buch, das laut Klappentext von einem König handeln soll und in Wirklichkeit die Geschichte seiner Mutter, seiner Geliebten und seiner Ehefrauen erzählt.
Sylvie von Frankenberg/ Katrin von Glasow Der vierte König Knaur, München 2005
650 Seiten, EUR 12,95
ISBN: 3-426-62979-8