Hoher Identifikationsfaktor : Zwischen Himmel und Liebe
Elizabeth ist Mitte dreißig, erfolgreich und schon fast pathologisch ordnungsliebend. Dies liegt weniger daran, dass sie sich so wohl fühlt als an dem Umstand, dass sie seit frühester Kindheit immer diejenige war, die für andere Verantwortung übernehmen musste. Und dies gelang ihr nur durch strenge Disziplin und Planung, damit sie für die anderen stark sein konnte.
Doch Erfolg hat sie dabei weniger gehabt: ihr Vater ist zu einem skurrilen Außenseiter geworden und ihre Schwester Saoirse ist alkoholabhängig und ohne Wohnsitz. Fast gewohnheitsmäßig übernimmt sie die Aufgabe, Luke, dem 6-jährigen Sohn ihrer Schwester ein Heim zu geben. Sie ist sich zwar bewusst, dass irgendetwas in ihrem Leben fehlt, kann es jedoch nicht fassen.
Ghost – Nachricht von Ivan
Anzeige Luke ist durchaus gefährdet, psychischen Schaden durch die Gesamtsituation zu erleiden: abgeschoben von der Mutter zu einer ernsten, pingeligen Putzwütigen hat auch er es nicht leicht. Doch bewahrt ihn Ivan vor ernsthaftem Schaden. Denn Ivan ist witzig, albern, kindisch und kindlich. Hat verrückte Ideen, lenkt Luke von seinen Problemen ab. Bringt ihn zum Lachen. Tollt und tobt mit ihm herum. Kurzum: Ivan ist der erwachsene Bruder, den sich jeder kleine Junge wünscht. Aber Ivan ist nur für Kinder sichtbar. Umso überraschter ist Ivan, als er auch von Elizabeth wahrgenommen wird. Dieser nimmt die Gelegenheit beim Schopf und macht es sich zur Aufgabe, ihr die Schönheit des Lebens nahe zu bringen. Dazu gehört nicht nur, dass er mit ihr albert, sondern er zeigt ihr auch, dass es auch andere Werte gibt im Leben gibt außer Ordnung und Disziplin. Und das es einen Unterschied macht, ob man sich um jemanden kümmert aus einem Pflichtgefühl heraus oder aus Liebe.
Ivan verliebt sich dann auch prompt in Elizabeth und für einen kurzen Moment scheint das Unmögliche in greifbarer Nähe. Doch wie soll eine Liebesbeziehung zwischen einem Unsichtbaren und einem Menschen funktionieren? Da Cecilia Ahern keinen Fantasy- sondern einen Liebesroman geschrieben hat, gibt es kein Happy End. Und dies ist der rationalen Elisabeth schnell klar.
Geteilte Freud – Geteiltes Leid
Den wechselnden Erzählperspektiven trägt der Argon-Verlag dadurch Rechnung, dass sich Heikko Deutschmann und Eva Gosciejewicz die Lesung teilen. Beide spielen dabei ihre individuellen Stärken aus und erzeugen dadurch eine lockere Intimität. Doch all ihr Bemühen kann nicht über die offensichtlichen Schwächen des dritten Romans hinweg täuschen. Im Mittelteil des Romans versinkt die Autorin schier in klebrigen Rosatönen und Klischees, was keinesfalls nötig gewesen wäre. Das man solche Hürden geschickter nehmen kann, hat sie selber in ihrem Debütroman „P.S – Ich liebe dich“ bewiesen. Des Weiteren wirkt der Charakter von Elizabeth anfänglich zu kalt und distanziert, um glaubhaft den sprunghaften Wechsel nachvollziehen zu können. Die kritisierten Mängel beziehen sich weitestgehend nur auf den Mittelteil des Romans und verschwinden danach wieder fast völlig, so als hätte die Autorin selber gemerkt, dass sie etwas überzogen hat. Und das Ende des Romans versöhnt wieder völlig mit den wenigen Unzulänglichkeiten, mit denen sich der geneigte Hörer halt abfinden muss.
Fazit: Der dritte ist gleichzeitig auch der schwächste Roman von Cecilia Ahern. Dabei hat die Geschichte mehr Potential, als ausgenutzt wurde und wirkt stellenweise zu klischeebehaftet. Fans emotionsgeladener, witziger und romantischer Liebeskomödien kommen voll und ganz auf ihre Kosten.
Cecilia Ahern Zwischen Himmel und Liebe Argon Verlag
6 CDs, ca. 450 Min, Euro 22,95
ISBN 3-87024-440-2