Arnoud de Vriendt lebt zusammen mit seinem Vater in der Stadt. Doch 1996 stirbt seine Großmutter Irma und sie müssen zur Beerdigung nach Deemstervelde. Einem kleinem Kaff irgendwo im Nichts, wo nur noch alte Leute wohnen. Arnoud fühlt sich ins zurück ins Mittelalter katapultiert und ist nicht gerade begeistert. Zum einen kannte er seine Großmutter kaum, da sie seit Jahren mit seinem Vater im Streit war, zum anderen hatten doch gerade erst die Ferien begonnen. Aber das alte Dorf hat einige Geheimnisse zu bieten, die auch Arnoud unmittelbar betreffen.
Nach der Beerdigung gilt es zunächst das alte Haus auszumisten und schon da finden sich so manch sonderbare Dinge. Unter anderem auch das Testament und ein geheimnisvoller Brief für Arnoud. Aber warum schreibt die Großmutter ihm einen Brief, obwohl sie sich kaum kannten? Noch dazu soll sein Vater nichts von dem Brief erfahren. Die Großmutter offenbart Arnoud eine wahre Familientragödie, die viel mit ihrem Mann zu tun hat, der 1942 auf tragische Weise ums Leben kam und Arnoud zum Verwechseln ähnlich sieht. Plötzlich wird Arnoud klar, warum die Dorfmitbewohner ihn so seltsam angesehen haben und die Gerüchteküche wieder hoch brodelt. Doch kurz bevor seine Großmutter in dem Brief zum Punkt kommt, hört sie auf einmal auf zu schreiben und Arnoud muss sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit machen.
Was am Anfang noch so harmlos beginnt, entwickelt sich zu einem wahrhaftigen Krimi. Ein Geheimnis jagt das nächste und eine unglaublich spannende Geschichte tut sich auf. Vor der Hintergrund des zweiten Weltkrieges erzählt Irma ihrem Enkel die tragische und verzwickte Geschichte sämtlicher Familienmitglieder. Gewisse geschichtliche Vorkenntnisse über diese Zeit sind daher nicht von Nachteil, tun dem Lesevergnügen aber auch keinen Abbruch, wenn sie nicht vorhanden sind.
Aber die Geschichte verharrt keinesfalls einseitig nur auf diesem Gebiet. Auch das Thema Freundschaft und Liebe spielt eine Rolle, als Arnoud feststellt, dass es eben doch nicht nur steinalte Ururomas in dem Dort gibt, sondern auch die junge Rebecca, die auf seine Kosten so einige Späße mit ihm treibt.
Einen Trumpf setzt der Autor mit dem scharfzüngigen Ton, in dem Arnoud die Dinge beschreibt, wie er sie sieht. Das haucht der Geschichte noch zusätzlich Leben ein und veranlasst einen des Öfteren zum kräftigen Schmunzeln. Arnoud ist von Anfang an sympathisch, und dadurch liest sich die Geschichte flott und locker.
Jan de Leeuw Das Schweigen der Eulen Übersetzt von Rolf Erdorf
Gerstenberg, Hildesheim
253 Seiten, gebunden, 13,90 Euro
ISBN: 3-8067-5107-2