Achtzehn Jahre hat Hans Olofson in Afrika verbracht. Jetzt geht es zu Ende, und noch einmal lässt er Geschehnisse und Personen Revue passieren. Während die Malaria ihn schüttelt, denkt er über die Schuld nach, die er nie gebüßt hat und die ihn letztlich nach Afrika getrieben hat.
Einen Sommer lang hält die seltsame Freundschaft zwischen dem Arbeitersohn Hans Olofson, dem jungen Adligen Sture und der verunstalteten Janine, der "Nasenlosen". Doch ein Unfall und Olofsons Feigheit machen dem Zauber ein Ende. Von Schuldgefühlen getrieben beschließt der junge Mann, Janines letzten Wunsch zu erfüllen. Er tut, was sie nicht mehr tun kann, er reist auf den fernen, geheimnisvollen Kontinent Afrika.
Doch die Macht der Kolonialherren gehört zu dieser Zeit bereits der Vergangenheit an. Die Farmen der Weißen sind Bollwerke aus Angst und Hass, und die Mentalität der schwarzen Arbeiter ist unbegreiflich. Dennoch sind Olofsons Versuche, anders zu sein als die anderen Weißen, ehrlich. Er bietet dem fremden Land seine Freundschaft und den Versuch, zu verstehen. Doch Hass und Auflehnung machen auch vor ihm nicht halt.
In seinen Fieberphantasien gleitet Olofson zwischen seiner Kindheit und Jugend in Schweden und seinen Erlebnissen in Afrika hin und her. Der Verrat, den er als Junge an einer Frau beging, wird vom Schicksal mit dem Verrat eines Freundes vergolten. Am Ende erkennt Olofson, dass seine Flucht in die weiten des schwarzen Kontinentes ein Ende finden muss. Seine Zeit ist abgelaufen.
Henning Mankell hat sich bereits mit Chronist der Winde und Rote Antilope einen Namen als ernstzunehmender Afrikakenner und -autor gemacht. Das Auge des Leoparden geht noch einen Schritt weiter auf dem Weg, Klischees und Vorurteile abzubauen. Während die Vorgängerromane aus der Sicht von Kindern, also von hilflosen Opfern, geschrieben wurden, ist es nun die Erwachsenenwelt, die zu Wort kommt. Die Leser, denen die anderen beiden Romane zu sentimental vorkamen, können sich nun auf eine Geschichte voller Kraft und Pathos freuen, die nicht wertet sondern nur die Ausweglosigkeit einer Situation beschreibt, die auf Ungleichheit basiert.
Fazit: Der neue Mankell - eine Geschichte voller Pathos, Kraft und Poesie.
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Henning Mankell Das Auge des Leoparden (Originaltitel: Leopardens öga). Aus dem Schwedischen von Paul Berf Zsolany gebunden, 379 Seiten, EUR 21,50 ISBN 3-552-05296-8