Unscheinbares Opfer, halbseidene Vergangenheit mit schrecklicher Erfahrung
Der aufregende Roman des norwegischen Autors nimmt einen von Anfang gefangen. Die hautnahe Geschichte der zunächst völlig normal wirkenden Hauptperson Katharine weckt schnell die Neugierde, denn die verwegene und halbseidene Vergangenheit ist bei weitem nicht so unbedeutend, wie es anfänglich scheint.
Stück für Stück wird das offenbar und immer tiefer gräbt man sich gemeinsam mit den beiden Ermittlern in die tiefer liegenden Informationsschichten über ihr unbekanntes Leben.
Das Ende der sich sogar gegenüber ihrem Freund geheimnisvoll gebärdenden Frau bleibt lange völlig unverständlich und begründungslos. Indizien über Indizien, Vermutungen und Vermutungen sammeln sich und doch bleibt man weit von einer Lösung entfernt.
Die akribische Arbeit der Kommissare und ihr unermüdliches Nachsinnen über die Hintergründe und insbesondere die sich anbietenden Täter reizen stets zum Weiterlesen. Die Spannung steigt schließlich noch mehr an, als ein längst vergangener Fall Ideen für ein Motiv und Hinweise auf die Täterschaft gibt. Dass dann doch alles wiederum ganz anders ist, zeugt nur von dem großartigen psychologischen Aufbau des Krimis.
Detailreich charakterisiert der Autor mögliche Täter, ermittelnde Kommissare und schon zu Beginn sogar das erste Mordopfer. Eigene Schlüsse zieht man zwar schnell und erst Recht, als es ein zweiter Mord geschieht, doch glücklicherweise entwickelt sich das Geschehen vom Autoren hervorragend gelenkt in eine ganz unerwartete Richtung.
Die vielschichtigen Denkmöglichkeiten und Ereignisse heben diesen Roman auf das hohe Niveau der zahllosen weiteren skandinavischen Kriminalgeschichten und doch hat es der Norweger geschafft, eine ganz eigene, neue Prägung in seine Figuren und seinen Text zu legen. Ausgesprochen lesenswert und Lust machend auf weitere Ermittlungen mit den beiden so deutlich unterschiedlichen Typen. Man wird und sollte noch mehr von ihnen lesen.