Urlaub bei den indischen Verwandten: Kick it, Anjali!
Der Familienurlaub muss ausfallen. Anjalis Mutter möchte zur Großmutter fahren, die ins Krankenhaus muss. Anjalis Vater, ein Mathematiker, der mit an der Mondmission arbeitet, hat kaum Zeit. So soll Anjali nach England fahren zu ihrem Onkel Rajiv, Tante Hema und ihren Cousins Dev und Rahul. Anjali fühlt sich abgeschoben. Außerdem kennt sie von Papas Familie, die aus Indien stammt, niemanden. Doch Widerreden helfen nichts. Es steht fest: Anjali muss die sechs Ferienwochen in Manchester verbringen.
Den Empfang empfindet Anjali als übertrieben herzlich. Das bonbonrosa Haus entspricht nicht gerade ihrem Geschmack. Und Tante Hema trägt auch noch einen Sari in dazu passender Farbe. Zur Begrüßung bekommt sie von der Tante einen roten Punkt auf die Stirn. Anjala kommt es vor, als sei sie mitten in Indien gelandet und nicht in England. Sie glaubt auch nicht, dass sie sich mit Dev und Rahul anfreunden wird. Die beiden schwärmen für Fußball, und auch noch für verschiedene Vereine, was immer wieder Anlass für Streitereien ist.
Anjali weiß gar nicht, was sie den ganzen Tag machen soll. Tante und Onkel arbeiten und die Jungs rennen hinter dem Ball her. Sie ist erstaunt, als Dev ihr vorschlägt, mit Fußball zu spielen. Noch überraschter ist sie, als sie hört, das indische Mädchen gut Fußball spielen können. Aber bevor Anjali in Langeweile versinkt, will sie doch mitmachen. Sie erweist sich als Naturtalent. Doch Onkel Rajiv und Tante Hema sind wenig begeistert davon, dass Anjali ab sofort regelmäßig Fußball spielen möchte.
Anjali lernt viel Neues über Indien und die Kultur des Landes. Auch wenn am Anfang alles auf sie ein wenig befremdlich wirkt, helfen die Geschichten, die Onkel und Tante erzählen, ihr darüber hinweg. Anjali bekommt sogar einen Sari und lernt ihn zu binden. Genau wie Anjali lernt auch der Leser viel Wissenswertes und Interessantes über Indien und darüber, wie eine indische Familie ihren Alltag lebt und religiöse Feste begeht. Verpackt ist das in eine spannende Geschichte. Aus Anjalis Abneigung gegen Fußball wird bald Leidenschaft für diesen Sport. Das Fußballfieber schlägt zu. Das ein Mädchen Fußball spielt, ist natürlich ungewöhnlich, aber davon lässt sich Anjali nicht abschrecken.
Das Buch ist gut geschrieben. Die Autorin wechselt immer mal wieder die Perspektive. Zwischen den Kapiteln lässt sie Anjali ganz persönliche Briefe an ihre Freundin in Deutschland schreiben, in denen die Gefühle des Mädchens deutlich werden. Aber sie lässt auch viel Platz für Anjalis Gedanken, die stets offen und ehrlich sind. Es macht viel Freude, dieses kurzweilige Buch zu lesen.
Cordula Tollmien Kick it, Anjali! Egmont Franz Schneider Verlag
160 Seiten, gebunden, 7,90 Euro
ab 10 Jahre
ISBN: 3-505-12248-3