Es könnte schlimmer sein, so lautet die unterschwellige Nachricht, die Marion Poschmanns Schwarzweißroman seinen Lesern entgegenzuhalten hat. Leben trotz der grauen, tristen Umgebung, die unweigerlich nach einigen Wochen zügellosen Aufenthalts zu einem Russlandkoller mit schweren Depressionen führen muss.
Eben so ergeht es nahezu jedem deutschen Ingenieur, der für ein paar Wochen oder gar Monate in der russischen Industriestadt Magnitogorsk arbeitet. Ihre daheim gebliebenen Familien haben keine Ahnung von dem Leben, das sie hier in der Fremde führen, von den leicht zufrieden zu stellenden Russinnen, dem regelmäßigen Alkoholkonsum und der täglichen Tristesse, der sie ausgesetzt sind.
Die Erzählerin dieses Romans erlebt eben jenes Lebensgefühl, als sie ihren Vater, der als Ingenieur in Magnitogorsk arbeitet, für einige Wochen besucht. Die Luft ist erfüllt von Schwermetall, Heimeligkeit will nicht aufkommen und in der Fremde pflegt sie hauptsächlich den Kontakt zu den Arbeitskollegen ihres Vaters und deren russischen Geliebten. Der gesamte Tagesablauf wirkt mechanisch, selbst die Unterkünfte der Gastarbeiter spiegeln diese strenge Klarheit wider. Als die Ehefrau eines Arbeitskollegen zu Besuch kommt, lockt sie diese geschickt für einige Stunden aus dem Haus, damit der Ehemann sich mit seiner Geliebten arrangieren kann. Doch was sie der Frau zu zeigen hat, erweist sich als ebenso trist, wie das gesamte Leben in der Industriestadt, so fällt es ihr zunehmend schwer, die Frau für mehrere Stunden zu beschäftigen.
Schließlich lässt sich die Erzählerin, die mit ihrem roten Mantel ein regelrechtes Highlight darstellt, auf ein sexuelles Abenteuer mit dem Chef ihres Vaters ein, doch das Tete-a-Tete in einer Abstellkammer verkommt zu einem ebenso mechanischen und maschinellen Akt, wie es der gesamten Umgebung entspricht.
In insgesamt 30 literarisch verarbeiteten Schwarzweißfotos schildert Marion Poschmann ihre Russlandgeschichte. Mit ihrer ungemein sinnlichen Sprache und den lyrischen Einschüben, die zeigen, wie die Tristesse mehr und mehr von der Erzählerin Besitz ergreift, und die Veränderungen in ihrer Gefühls und Gedankenwelt ideal widerspiegelt, lassen über die Tatsache, dass der Roman nur über sehr wenig wirkliche Handlung verfügt, hinwegsehen.Schwarzweißroman fängt die ruhige und doch wirklich graue Realität einer Industriestadt ein und liefert ein hervorragendes Bild einer Gesellschaft, die so völlig anders zu sein scheint und, trotz all der Tristesse, ihre positive Lebenseinstellung nicht verloren zu haben scheint, denn: