Grottiges Geheimnis In seinem ersten Färöer-Krimi beleuchtet Jógvan Isaksen die dunkle deutsche Vergangenheit
Auf gut Deutsch heißen sie Schafsinseln und liegen im Nordatlantik zwischen Schottland und Island. Bislang waren die Färöer-Inseln mehr für ihr mild-feuchtes Klima und raue Felsenformationen als für Mord und Totschlag bekannt. Doch der färöische Literaturdozent Jógvan Isaksen weiß auf fiktionaler Ebene anderes zu berichten. In seinem bereits vor 16 Jahren erschienenen Kriminalroman "Endstation Färöer" lässt er gleich auf den ersten Seiten eine Frau von den steilen Klippen der Hauptinsel Streymoy stürzen.
Der SS auf der Spur
Für die Inselpolizisten ein Selbstmord, für den mit dem Opfer befreundeten Journalisten Hannis Martinsson ein Mord. Als kurz darauf auch noch der Mann der Toten auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, ist Martinsson Aufklärungstrieb nicht mehr zu bremsen. Mit journalistischer Neugier durchkämmt er die Unterlagen seiner ehemaligen Kollegin. Kurz vor ihrem Tod hatte sie an einer Artikelserie über den Zweiten Weltkrieg gearbeitet. Zwei Namen, die sie in ihren Artikeln markiert hat, führen ihn auf die Spur ranghoher SS-Männer, die sich nach dem Krieg nach Südamerika abgesetzt haben. War sie vielleicht gerade dabei ehemalige SS-Schergen zu enttarnen.
Nur eine Vermutung, die mit dem Auftauchen eines südamerikanischen Schoners an der Färöischen Küste, weiter Nahrung erhält. Mit der ebenso verschlossenen wie "nordisch" anmutenden Besatzung ist etwas faul. Er will das Geheimnis der Crew lüften und stößt auf ein milliardenschweres Geheimnis, dass seine Spuren in den Grotten der Färöer-Inseln hinterlasen hat.
Gebremster Lesefluss
Dass er bei seinen Recherchen in tödliche Gefahr gerät, dürfte niemanden wundern. Dass diese Gefahr von einem Haufen unverbesserlicher Alt-Nazis ausgeht, die an eine Wiederkehr des Dritten Reichs glauben, allerdings schon. An dieser doch recht oberflächlichen und dilettantischen Rekonstruktion historischer und aktueller Sachverhalte krankt der Roman ebenso wie an seinen klischeehaften Vergleichen ("Er war scharf wie ein Rasiermesser") und skurrilen Metaphern ("Plötzlich hatte ich eine Eingebung, einen Schuss in den Nebel"). Auch diverse stilistische Ungereimtheiten ("Draußen auf der Klippe hatte er einen Hauch von Emotionen offenbart") bremsen bisweilen den Lesefluss.
Für den Nicht-Färöer bleiben viele literarischen Anspielungen ein Rätsel, das der Verlag vielleicht hätte auflösen müssen. Sie geben den Festland-Europäern nur bedingt Einblick in die mystische Seele der Färinger. Immerhin blickt der Autor mit einem selbstironischen Blick auf das Inselvolk, dass anscheinend gern spät aufsteht, spät zu Bett geht und sein monotones Fernsehprogramm flieht, um sich in so genannten Bierclubs zu amüsieren. Dem Leser wird hier allerdings ein recht schales Bier serviert.
FAZIT: Actionreicher Inselkrimi mit geringem Tiefgang.