Auf dem Flughafen Newark wird der angesehene schwedische Literaturkritiker Hassel unter grauenhaften Umständen ermordet. Seinen Platz im Flugzeug nahm der Mörder ein und konnte so unter einer falschen Identität in Schweden einreisen. Als dann ein weiterer Mord nach gleichem Muster in Schweden geschieht, ist die Fahndungsgruppe A alarmiert. Denn das Vorgehensmuster gleicht bis aufs Haar der Methode, welche der berüchtigte Kentuckymörder anwandte, um seine Opfer umzubringen. Doch das psychologische Profil des Serienkillers weicht in einigen entscheidenden Punkten von allen sonstigen bekannten Profilen ab: kein Serienkiller legte bisher 15 Jahre Pause ein, bevor er wieder zu morden begann.
Einmal abgesehen von dem ausgelutschten Szenario "Polizei jagt Serienkiller" beginnt Arne Dahls zweiter Roman rund um Hjelm und Holm recht spannend. Zu Beginn stellt Kerstin Holm einige völlig absurde Theorien auf, die vom Sprecher entsprechend ironisch vorgetragen werden und die hanebüchenen Plots anderer Autoren gehörig auf die Schippe nimmt - glaubt man als unbedarfter Hörer zumindest. Denn die Freude über die vermeintlich gelungenen Seitenhiebe weicht ab der vierten CD ungläubigem Staunen und Kopfschütteln. Die ab hier präsentierte Story ist sogar noch irrealer als die vorher persiflierten. Dabei steht außer Frage, dass die Handlung an sich eine gewisse Dramatik und Dynamik entwickelt. Doch bleibt die Glaubwürdigkeit auf der Strecke.
Gesellschaftskritik muss einfach sein
Ein zweites großes Thema, dass durchaus sozialkritisch zu werten und nicht nur auf schwedische Verhältnisse beschränkt ist, stellt das Verhältnis Vater-Sohn bzw. Vater-Kinder im allgemeinen und der Missbrauch oder die Misshandlung im speziellen dar. Aktuelle Themen in Plots einzubauen gehört ja spätestens seit Henning Mankell zum guten Ton. Doch man kann auch übertreiben, wie im vorliegenden Fall von Arne Dahl trefflich vorgeführt wird. Nicht alleine, das schon das erste Mordopfer zu denjenigen Vätern gehört, welche die Kindheit des Sohnes zur Hölle gemacht haben und irreparable Schäden
verursachten, auch zwei Ermittler, darunter der Sympathieträger Hjelm, haben offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Nachwuchs. Sie können unschwer erraten, dass sich diese Thematik auch noch auf weitere Personen im Plot erstreckt, die jedoch hier nicht verraten werden sollen.
Die Lesung als solche erfolgt gewohnt souverän durch Till Hagen. Allerdings erlaubt die Story an sich nicht, dass Herr Hagen seine Stärken voll ausspielen kann, sondern sich, im Vergleich zu "Tiefer Schmerz" und "Misterioso", deutlich bei der Interpretation des Hörbuches zurück hält.
Fazit: "Böses Blut" ist der zweite Roman rund um die Fahndungsgruppe A. Verzieh man dem Autor beim Auftakt der Reihe "Misterioso" noch einige Ungereimtheiten, so fallen diese Kleinigkeiten hier bereits unangenehm ins Gewicht. Dem Autor scheint dies auch bewusst geworden zu sein, da in den folgenden Bänden diese offensichtlichen Schwächen ausgeräumt wurden. Man kann also von einer handwerklichen Weiterentwicklung sprechen. "Böses Blut" krankt an einem völlig unglaubwürdigen Plot. Wenn man damit leben kann, wird man bis zum Ende des Hörbuches ausgezeichnet unterhalten.
Alle anderen sollten nach der dritten CD das Hörbuch ausmachen.
Arne Dahl Böses Blut Sprecher: Till Hagen
Steinbach Sprechende Bücher
520 Minuten
6 CDs, EUR 24,90
ISBN 3-88698-768-X