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Die Volxbibel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Uli Geißler, am 10-02-2006 11:26
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Die VolxbibelKrass Neues Testament am Start

Es wirkt schon etwas befremdlich, wenn bekannte Worte so hart vereinfacht geschrieben werden. Jungen Menschen macht das in der Regel aber nix, also auch nicht das „x“ statt „ch“. Hauptsache, sie verstehen, worum es geht und ob es sie betrifft. Kann sein, dass ihr Zugang zur Heiligen Schrift, der Bibel, bisher schleppend gelang, weil sie sprachlich nicht auf ihrem Level lag. Das wird jetzt anders.

 

Die „Volxbibel“ ist da. Eine neue Zeitrechnung der Bibelverbreitung beginnt. Endlich werden junge Leute verstehen, was Evangelium meint und was es bedeutet, als Christ zu leben. In einer von dem – eher „mittelalten“ - Autoren als zeitgemäß und jugendnah gemeinter Sprache prallen einem altbekannte Texte in der „Sprache der Straße“ und den jugendkulturellen „Szenen“ wie Neuschöpfungen entgegen.

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Ein interessantes Projekt, was sich da der Gründer der so genannten „Jesus Freaks“ ausgedacht hat. Sein Ziel war und ist es, die ehrwürdigen Glaubenstexte so zu formulieren, dass sie heute verstanden werden und Menschen erreichen, die sich einem ledergebundenen Schmöker wohl seltener annähern. Immerhin ist dem Autoren (und seinem Team) gelungen, in der TAZ zu erscheinen, was schon ein gewisser missionarischer Erfolg ist.

Viele locker gemeinte und umgangssprachliche Formulierungen wie „in die Tonne kloppen“, „das hat Gott am Start“, „labern“ oder auch „Jesus fettes Comeback“ (für „Auferstehung“) wirken ausgesprochen verkrampft zwanghaft, keineswegs locker, eher blöd. Sie mögen kurzzeitig tatsächlich eine bestimmte Gruppe von Menschen – vorrangig Jugendliche vermutlich – ansprechen. Doch ändert sich die Szene- und Jugendsprache oft so schnell, wie die angesagten Farben der aktuellen Mode. Insofern wird es wohl künftig viele „Updates“ für das Projekt benötigen, um stets die augenblicklich gängigen Formulierungen für die gewünschte Lesergruppe der „Volxbibel“ zu treffen.

Ob sich Jugendliche zudem durch die Unterstellung einer doch eher oftmals niveaulosen - und letztlich von einer geringen Minderheit - verwendeteten Sprache diskrimieren lassen wollen, ist ebenfalls fraglich. Wer so spricht, wie es der Autor jungen Menschen andichtet, gehört – angenommen, es tatsächlich Kinder und Jugendliche, die so sprechen - eher zu einer besonderen, kleinen Gruppe einer ganz bestimmten, abgegrenzten Lebensrealität.

Mag sein, dass diese Gruppe durch die neue „Volxbibel“ und den entstandenen Disput darüber angeregt fühlen, diese Texte sich einmal genauer anzusehen. Hier kann der Autor bestimmt sein Ziel erreichen, dass mehr Jugendliche in die Bibel, zumindest in die so genannte „Volxbibel“ blicken. Schließlich reizt es schon, das inzwischen schon viel diskutierte und kritisierte Buch einmal genauer anzusehen und die besonderen „Stellen“ zu suchen.

Dennoch bezeichne ich das neue Testament Martin Dreyers eher als eine animierende Interpretation und bestenfalls eine Übertragung biblischer Texte in eine gegenwärtige Szenesprache. Es ist keinesfalls eine mit Luthers Arbeit vergleichbare Neuübersetzung der Bibel. Dieser Eindruck wird sich eventuell sogar noch verstärken, wenn das als „Open Source“-Modellprojekt gedachte, weltweit einmalige und ausgesprochen bemerkenswerte Verfahren greift und noch mehr Beteiligte mitformulieren und die „Volxbibel“ weiter schreiben. Das bleibt jedoch abzuwarten.

Unterstützenswert ist, dass sich auch ein Glaubenstext an die Menschen der Gegenwart so richten sollte, dass verstanden wird, worum es geht. Schließlich war es schon immer so, dass sprachliche Hemmschwellen und Verständnisprobleme vorherrschten. Überalterte Formulierungen und teilweise Sichtweisen und Lebenseinstellungen können ebenso stören, wie überdrehte und pseudomoderne Texte, Begriffe oder aktuelle Positionen.

Ob jedoch die neu verwendeten Symbole und Bilder heutiger Lebenswirklichkeit wirklich zum besseren Verständnis beitragen oder es die Nennung bestimmter Schnellimbissketten oder Lebensmitteldiscounter als Metaphern für weitreichende Glaubensaussagen braucht, sei dahingestellt. Schwierig finde ich zudem, dass viele Texte sehr karrikierend wirken und leicht der Eindruck entsteht, die Geschichten entstammen den Bühnenprogrammen bekannter deutscher Comedians.

Einen durchaus mutigen Versuch zeitgemäßer Vermittlung biblischer Inhalte leistet das Buch von Martin Dreyer und seinem Formulierteam aus Theologen und aktiven Jugendlichen auf jeden Fall für die Leserinnen und Leser, die sich von der von meiner Meinung nach einer vermeintlichen Jugendlichkeit etwas anbiedernden Art der „Volxbibel“ nicht abgestoßen fühlen und ansprechen lassen. Innerhalb eines Tages war die Erstauflage (immerhin 5.000 Exemplare) ausverkauft.

Die vielfach entfachten Diskussionen in Foren, Blogs, Zeitschriften und Magazinen zeigen, dass es – auch unter jungen Leuten – einen ernsthaften und engagierten Dialog zu theologischen und Glaubensfragen gibt und die Auseinandersetzung sich letztlich um die inhaltliche Aussagekraft des Buchs der Bücher dreht. Es scheint, da war dann wohl doch der alte Heilige Geist am Start …!

Martin Dreyer
Die Volxbibel
Neues Testament
Volxbibel-Verlag
576 Seiten, EUR 9,90
ISBN 3981065603


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Letztes Update: 21-12-2006 10:38

Veröffentlicht in : Buch, Lehrwerke
Schlüsselworte : Bibel in aktueller Jugendsprache, Jugendslang, Glaubensbuch, jugendsprache, bibel, religion
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