Ob es noch in diesem Frühjahr zu einem militärischen Angriff auf den Iran kommen wird, wissen sehr wahrscheinlich nur der US-Präsident George Bush und seine engsten Berater. Dass der Krieg gegen die potenzielle Atomwaffennation im Nahen Osten auf dem Reißbrett längst existiert und ein öffentlich zugkräftiger Kriegsgrund bereits in den Schubladen der amerikanischen Geheimdienste schlummert, will der Journalist und Geheimdienstexperte Udo Ulfkotte aus gut informierten Kreisen aber schon gehört haben.
Mit diesen und weiteren topaktuellen Hintergrundinformationen garnierte der ehemalige F.A.Z.-Redakteur gestern in Berlin die Präsentation seines neuen Buches "Der Krieg im Dunkeln. Die wahre Macht der Geheimdienste". Am Beispiel zahlreicher aktueller und außergewöhnlicher Fälle beleuchtet er die mehr oder minder erfolgreichen und vielfach illegalen Aktivitäten der sechs einflussreichsten Geheimdienste dieser Welt. Der Entführung des ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann durch den israelischen Mossad im Jahr 1956 schenkt Ulfkotte ebenso Aufmerksamkeit wie dem geheimdienstlichen Missmanagement des britischen MI 5 und MI 6 bei den Terroranschlägen in London im letzten Jahr.
Anzeige Zahlreiche ehemalige Mitarbeiter der jeweiligen Geheimdienste haben ihm Rede und Antwort gestanden bzw. ihn mit Informationen versorgt. Aber auch aus anderen Publikationen und investigativen Medienberichten hat Ulfkotte geschöpft, um seinen Lesern ein möglichst zuverlässiges und facettenreiches Bild von der Arbeitsweise der Geheimdienste zu liefern. Am besten sei dem Autor in seinem sehr ausführlichen CIA-Kapitel gelungen, meinte der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele, der in seiner Funktion als Mitglied des mit der BND-Affäre befassten Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Buchvorstellung eingeladen war.
Weder das Lob noch der knappe Tadel Ströbeles an der seines Erachtens zu positiven Darstellung des BND ließen eine wirklich fruchtbare Diskussion aufkommen. Beide waren sich schnell einig, dass der investigative Journalismus nicht unzulässig behindert werden dürfe und die Arbeit der Geheimdienste sowie der Politiker sogar unterstützen könne. Ob Ulfkotte mit seinem Buch einen Beitrag dazu geleistet hat, sei dahin gestellt. Eines macht es in jedem Falle deutlich: Der Aufklärungsbedarf ist noch lange nicht gedeckt.
Udo Ulfkotte Der Krieg im Dunkeln Die wahre Macht der Geheimdienste
Eichborn 2006
352 Seiten, EUR 22,90
ISBN 3-8218-5578-9