Eines Tages kommt die Pest über das kleine Dorf. Nur der 12-jährige Elias überlebt und ein Esel. Elias ist ohne seine Familie völlig auf sich allein gestellt. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit dem Tier das Dorf zu verlassen. Und doch ist er nicht ganz allein. Aus dem Nachbardorf hat ein jüdisches Mädchen überlebt. Sie ist traumatisiert, spricht kein Wort. Dennoch bleiben die beiden in ihrer Not zusammen. Nur so lässt sich die Einsamkeit auf der kleinen Lichtung im Wald ertragen. Elias nennt das stumme Mädchen Maria, in Erinnerung an seine Schwester.
Eines Tages kommen drei Männer vorbei. Es sind Holzfäller auf den Weg nach Bamberg. Obwohl die Kinder sich verstecken, werden sie gefunden. Als einer der Männer sich an Maria vergreifen will, geht Elias ohne zu zögern mit dem Messer auf ihn los. Daraufhin verlassen beide fluchtartig die Lichtung. Elias will mit Maria nach Marienborn. Von diesem Ort hat er einst von der Hebamme seines Dorfes gehört. Das Pläneschmieden gibt ihm etwas von seiner Kraft zurück. Die Kinder ziehen von Ort zu Ort. Manchmal bekommen sie etwas zu essen, aber oft müssen sie hungern.
Vor den Toren der Stadt angekommen, wird Elias krank. In der Abtei des heiligen Benedikt wird er von einem Mönch gesund gepflegt. Elias mag Bruder Ludwig, doch vom Abt geht eine Gefahr aus, das spürt der Junge sofort. Er will Elias nicht sagen, wo Maria ist. Nach ihr zu suchen, wird ihm unmöglich gemacht. Elias wird wie ein Gefangener behandelt. Dass der Abt mit einem Kinderhändler zusammenarbeitet, weiß Elias zu dieser Zeit noch nicht. Und auch nicht, dass er noch lange vergeblich um seine Freiheit kämpfen muss.
Das Schicksal meint es nicht gut mit Elias und trotzdem gibt der freiheitsliebende Junge nicht auf. Die erste Hälfte des Buches liest sich dem entsprechend gut, ist abenteuerlich und spannend. Dann wird die Geschichte ungemütlich dramatisch. Ob der Leser nachvollziehen kann, warum ausgerechnet ein so mutiger Junge, sich so leicht in die Rolle des Prügelknaben hineindrängen lässt, ist fraglich. Denn es gab für Elias immer wieder Möglichkeiten, aus dieser Rolle auszubrechen und andere Wege zu gehen. Auch die zögerlich aufkeimende Liebe zu Maria, ist keine Erklärung dafür. Seine Risikobereitschaft und seine Entschlossenheit scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Die Autorin setzt aber noch eins drauf. Zum Ende wendet sich auf eine fast schon gespenstig wirkende Art und Weise plötzlich alles zum Guten.
Jana Frey
Prügelknabe
Loewe Verlag, Bindlach
392 Seiten, gebunden, 16,90 Euro
ISBN: 3-7855-5552-0