Die nächtliche Suche nach dem Warum : Im Schutz der Nacht von Eduard Márquez
Durch eine Todesanzeige erfährt Lars Belden, dass seine frühere Freundin Sela gestorben ist. Er hatte nie begriffen, warum sie ihn damals verlassen hatte. Da er noch den Schlüssel zu Selas Wohnung hat, begibt er sich auf nächtliche Antwortsuche. Fünf Nächte verbringt er dort.
Sela hat ihr gesamtes Leben in Tagebuchnotizen, Kassetten und Videos konserviert, die Lars nun durchstöbert. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Sela ihm durch die Trennung das Leben rettete. Aber auch die Person Sela wird Lars in diesen fünf Nächten der Suche verständlicher. Er begreift zumindest wie aussichtslos und hoffnungslos ihr Leben gewesen sein muss.
In diesem Roman geht es um Gefühle. Es geht um Liebe, Hass, Trauer, Wut und Verzweiflung. Diese Emotionalität wird jedoch nicht immer expliziert, so dass der Leser sie stellenweise nur ahnt. Durch eine schlichte und schnörkellose Sprache erreicht der Autor eine Steigerung des Verzweiflungsgefühls. Zudem lenkt die schmucklose Sprache nicht vom Wesentlichen ab, sondern der Inhalt des Werkes tritt stärker in den Vordergrund. Der Roman verbindet mehrere Genres. Er beinhaltet ebenso Elemente eines Krimis als auch Elemente eines Liebes- oder Entwicklungsromans. Das typisch Katalanische sucht der Leser jedoch vergebens. Der Roman könnte an jedem Ort der Welt spielen und literarische gesehen lässt sich auch kein typisch, katalanischer Schreibstil ausmachen.
Fazit: Ein internationaler, genreverbindender Roman im schlichten Ton, aber mit großen Gefühlen.
Eduard Márquez Im Schutz der Nacht Aus dem Katalanischen von Ilse Layer
DTV, München November 2005 135 Seiten, EUR 12,00
ISBN: 3-423-24492-5