Senait G. Mehari liefert mit ihrer Biographie Feuerherz einen erschreckenden Einblick in einen, für uns Europäer, fremden Kulturkreis, in dem er normal ist, dass Väter ihre Kinder grundlos verprügeln oder zur Kindersoldatin ausbilden lassen.
Kurz nach ihrer Geburt, versuchte sich Senaits Mutter des unerwünschten Kindes zu entledigen, indem sie es in einem Koffer eingesperrt aussetzte. Doch zum Glück konnte Senait rechtzeitig gefunden werden. Sie kam in ein Kinderheim und ihre Mutter wurde in ein Gefängnis eingesperrt. Im zweiten Kinderheim, in das sie schließlich weitergereicht wird, lebt sie unter der Obhut italienischer Nonnen als eines von wenigen dunkelhäutigen Kindern, die ihre Andersartigkeit auch deutlich zuspüren bekommen.
Doch als eines Tages Senaits vermeintliche Mutter, die sich später als ihre Tante zu erkennen gibt, auftaucht und sie aus dem Kinderheim herausholt und ihren Großeltern übergibt, nimmt Senaits Leben eine entscheidende Wendung. Hier erfährt sie das erste Mal Liebe und Geborgenheit in einer Gemeinschaft, die von Armut geprägt ist. Senait ist Glücklich, doch währt dies nicht lange. Schließlich meldet ihr Vater, den sie noch nie zuvor gesehen hat, seinen Anspruch an dem kleinen Mädchen und Senait wird gegen ihren Willen zu ihrem Vater gebracht, wo sie mit seiner zweiten Frau und seinen anderen Kindern leben muss. Dass sie nicht als vollwertiges Mitglied akzeptiert wird, bekommt sie schnell zu spüren und wird schließlich zur immerwährenden Zielscheibe für die Aggressionen ihres Vaters, der sie schlägt, egal ob sie etwas Falsches gemacht hat, oder nicht. Schließlich ist es ihre Stiefmutter, die sie vor dem drohenden Tod durch die Hände des Vaters bewahrt.
Anzeige Da der Krieg immer näher rückt, entledigt sich der Vater seiner Töchter, indem er sie kurzerhand im Rekrutierungsbüro der ELF abliefert. So wird Senait zur jüngsten Soldatin der eritreischen Befreiungsarmee. Sie versucht sich vor dem Umgang mit Waffen zu drücken, muss sich tägliche auf die verzweifelte Suche nach Wasser begeben, wird von älteren Jungen vergewaltigt und erkrankt schließlich an Malaria, die sie ihr ganzes Leben hindurch begleitet, da sie wegen Nicht-Behandlung chronisch geworden ist.
Als sie in der Wüste schließlich auf ihren Onkel trifft, können sie und ihre zwei Schwestern der ELF entfliehen, doch ihrem Vater nicht, der sie zu sich nach Deutschland holt. Hier lernt Senait ein eigenständiges Leben, außerhalb des Einflussbereichs ihres Vaters leben, in dem sie sich nach und nach immer mehr auf ihre Leidenschaft als Musikerin beruft und so in dem fremden Land die Kultur ihrer Heimat aufrechtzuerhalten.
Senait G. Meharis bisheriger Lebensweg ist erschütternd und man entwickelt eine gehörige Portion Respekt vor dieser Frau, deren Kindheit so schwere Narben hinterlassen hat, und die trotz allem nie aufgegeben hat, für sich und ihr Land zu Kämpfen. Jedoch wirkt ihre Erzählung nicht ganz rund, an vielen Stellen vermisst man den erzählerischen Tiefgang und einige Hintergrundinformationen, dennoch kann man sich das Grauen, welches sie durchlebt hat, sehr genau vorstellen. Wichtig ist jedoch, dass es Senait gelingt, die Leser auf das Schicksal ihrer Landsleute aufmerksam zu machen und so Hilfe zu leisten
So ist Senait G. Meharis Biographie mehr als bloß eine Biographie, sie will dazu aufrufen, dass sich in ihrer Heimat etwas ändert und den Menschen die Augen öffenen.
Es gibt keine offizielle Definition des Begriffs Kindersoldaten. Die internationale Coalition to Stop the use of child Soldiers orientiert sich an der Altersgrenze der UN-Kinderrechtskonvention und fordert, dass niemand, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in reguläre Streitkräfte oder nichtreguläre bewaffnete Gruppen rekrutiert werden darf.