Fran ist jung, intelligent und obdachlos. Zusammen mit ein paar Gefährten hat sie ein heruntergekommenes Haus an der Themse besetzt. Als ihre Wohnstätte vom Abriss bedroht wird, glaubt sie, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Sie irrt, denn wenig später findet sie ihre Mitbewohnerin Terry erhängt und sich selber im Visier der Polizei. Ihr erster Fall führt Fran ins ländliche Winchester zu Terrys Familie.
Dass Terry aus besserem Stall kommt als sie alle, hat Fran schon lange geahnt, aber ihre zickige Mitbewohnerin war mehr als verschlossen. Als es gilt, ihren Tod aufzuklären, findet sich die bekennende Stadtpflanze Fran auf einmal auf dem Land und - in bester englischer Tradition - auf einem Gestüt wieder. Hier lernt sie eine andere Terry kennen: Schön, angebetet und steinreich. Bald kann Fran sich vor Mordmotiven kaum noch retten.
Anzeige Mit Fran Varady stellt die Erfolgsautorin Anne Granger ihre neue Heldin vor. Fran ist ein intelligentes Londoner Gossenkind, das "durch das Netz des Sozialstaates gerutscht ist", sich aber dennoch nicht unterkriegen lässt. Die Idee ist reizvoll, doch - zumindest in dem erstem Band der geplanten Reihe - vollkommen verschenkt. Denn kaum hat Fran London verlassen, tauchen sie und der Leser ein in ein Ambiente, das in zahlreichen Varianten seit Agatha Christie hinlänglich bekannt ist. Da finden wir den verdächtigen Cousin, die verbitterte Großmutter und den schmierigen Anwalt. Die Obdachlose Fran selber fügt sich nahtlos ein in die Oberen Zehntausend. Auch die Lösung des Falles ist so überraschend, dass der krimigeübte Leser sie leicht auf die alte Formel zurückführen kann: Der Unverdächtigste ist immer der Mörder.
Auch die Sozialkritik, die man in dieser Konstellation von Reich und Arm vermuten könnte, blitzt nur selten auf. Sie wird überdies durch die Hauptfigur selber entschärft, denn Fran ist zwar arm, doch ihre Werte könnten nicht unanfechtbarer sein. Alles in allem kehrt die Autorin zu den Wurzeln des englischen Kriminalromans zurück, und lässt in sprachlich und inhaltlich solider Manier altbewährtes aufleben.
Fazit: Leichte Krimikost ohne Ecken und Kanten für lange Winterabende