...und ein Mädchen geboren. Mit diesem alten sizilianischen Sprichwort beschreibt Commissario Montalbano schon mal den Fortschritt der Ermittungen. Denn wo soll er den Zusammenhang zwischen dem verschwundenen Rentnerehepaar und dem ermordeten jungen Tagedieb suchen?
Und welche Rolle spielt der alte Mafiaboss, der Montalbano zu einem heimlichen Treffen einlädt, um ihm den Ehrenkodex der "alten Familien" vor Augen zu führen? Sein fünfter Fall scheint den Kommissar in eine Sackgasse zu führen.
Montalbano ist ein Kriminologe der alten Schule. Computer sind Teufelswerk, er verlässt sich lieber auf handfeste Ermittlungen, hie und da auf eine Eingebung, vor allem aber auf sein hervorragendes Team. So kommt es als ein furchtbarer Schock, als sein junger Stellvertreter Mimi ihm eröffnet, er denke über Heirat und Versetzung nach. Montalbanos Intrigen, ihn und seine Verlobte auseinanderzubringen, erscheinen fast so wichtig wie die Lösung des Mordfalles.
Das Spiel des Patriarchensetzt vor allem auf sein lebendiges, sehr realistisch gezeichnetes Ermittlerteam, allen voran den väterlichen Montalbano und den jungen Frauenhelden Mimi. Die mitunter recht derbe Sprache treibt eine Handlung vorwärts, die mehr und mehr in den Hintergrund tritt und eine Folie bildet für Land und Leute Siziliens. Ganz orignell ist dieses Schema natürlich nicht. Dazu sind die Parallelen zu anderen italienschen Gesetzeshütern der Literatur wie Guido Brunetti oder auch Aurelio Zen zu offensichtlich, dennoch gelingt es dem Autor, Montalbano seine eigene Note zu verleihen. Seinem Helden fehlt die ausgeprägt melancholische Note und weitgehend auch die gesellschaftskritschen Ansätze eines Brunetti oder Zen. Camilleris Protagonisten erscheinen dafür gleichzeitig menschlicher und skurriler. Sie wachsen dem Leser ans Herz, und wenn er das Buch aus der Hand legt, hat er schon verziehen, dass bei der Auflösung des Falles - wieder einmal - ein bisschen die Spannung hinter die Wahrscheinlichkeit zurücktritt.
Andrea Camilleri Das Spiel des Patriarchen 320 Seiten, BLT Verlag - Lübbe ISBN 3-404-92114-3
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