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Null PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Haan, am 18-01-2006 11:11
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Adam Fawer - NullWer treibt hier sein Spiel mit wem? : Null

Nikolaev ist ein großzügiger und gutmütiger Mann. Die landläufigen Klischees gegenüber Angehörigen der Russenmafia treffen auf ihn nicht zu. David Caine ist spielsüchtig. Der begnadete Mathematiker verlor seinen Job als Dozent, als er wegen seiner epileptischen Anfälle seine Vorlesungen nicht mehr halten konnte.

Führte er jahrelang ein geheimes Dasein als Spieler, bestreitet er jetzt seinen Lebensunterhalt aus kleinen Gewinnen. Dabei "spielt" er nicht Karten, sondern berechnet blitzschnell die Wahrscheinlichkeit auf die nächste Karte und versucht so, die Chance auf einen Gewinn zu maximieren. Heute hat er das Blatt des Jahres. Es ist fast unmöglich zu verlieren. Sein Hirn rast, Berechnungen erfolgen blitzschnell, Chancen werden kalkuliert. Da wird ihm plötzlich schlecht: Die unverkennbaren Anzeichen eines beginnenden Epilepsie-Anfalls. Doch er wehrt sich mit allen Kräften. Er kann nicht verlieren. Er puscht den Einsatz in schwindelerregende Höhen. Er kann nicht verlieren. Ihm ist schlecht, einer Ohnmacht nahe. Die Mathematik ist auf seiner Seite. Er kann nicht verlieren - und doch. Murphys Gesetz bewahrheitet sich wieder einmal: "Wenn etwas schief gehen kann, dann geht es auch schief". Sein Gegner dreht die letzte Karte um und - er hat verloren und wird ohnmächtig.
Nikolaev ist ein großzügiger und gutmütiger Mann. Die landläufigen Klischees gegenüber Angehörigen der Russenmafia treffen auf ihn nicht zu. Es sei denn, man schuldet ihm 12.000 Dollar…

Das gehaltene Versprechen


In "Null" von Adam Fawer wird Mathematik endlich das, was uns unsere Mathematiklehrer immer versprochen, aber nie gehalten haben: spannend. In seinem actionreichen Wissenschaftsthriller benutzt er mathematische Theorien, um seinen Plot zu untermauern und glaubwürdig zu machen. Durch seine gerade für Laien absolut verständlichen Erklärungen gelingt ihm dies auch problemlos. Gerade diese Erläuterungen werden von ihm an dramaturgisch prädestinierten Stellen eingesetzt und zählen zu den ruhigeren Momenten im Buch. Und diese Verschnaufpausen sind auch bitter nötig. Denn David Caine stolpert nach seiner verlorenen Pokerpartie von einer Katastrophe in die nächste. So taucht sein Zwillingsbruder Jasper unangemeldet auf, der seit Jahren wegen schizophrener Schübe in psychiatrischen Anstalten einsaß. Den "Schock" des Wiedersehens hat Caine noch nicht ganz verwunden, da erhält er schon "Genesungsbesuch" von Nikolaev Schlägern, welche die erste Rate kassieren kommen. Und dann hat Caine auch noch das Gefühl, ständig Deja-vus zu erleben.

Fawers Figuren sind leider nicht ganz frei von Klischees. So gibt es die toughe, bildschöne aber einsame Agentin, den skrupellosen Wissenschaftler, den wahnsinnigen Bruder, den brutal-hirnlosen Agenten, den liebevollen Doktorvater usw. Was ihn von anderen Autoren unterscheidet, ist die genau abgemessene Zeit, die er verwendet, um auch scheinbaren Randfiguren eine glaubwürdige Identität zu geben. Das macht diese zwar nicht unbedingt liebenswert, verleiht der Geschichte aber eine zusätzliche Dimension. Dadurch wird der Blickwinkel des Lesers intimer und die Distanz zu den Personen kürzer. Dies alles zusammen macht den Roman homogener als viele andere Vertreter des Genres.

Wie von einem guten Thriller zu erwarten, ist Fawers Roman voller überraschender Wendungen. Die Spannungskurve steigt in Wellen an und führt letztendlich zu einem furiosen Klimax. Selbst noch auf den letzten Seiten, wenn man sich relaxet zurück lehnt und glaubt, durchatmen zu können, zieht Fawer nochmals kurz an. Erst jetzt offenbart er dem Leser die eigentlichen Hintergründe. Dies führt dazu, dass man als Leser alles bisher Erfahrene in einem anderen Licht betrachtet und verblüfft auf die letzten Worte des Romans starrt: "Eigentlich mag ich doch gar kein Eis"

Fazit: Wendungsreicher Thriller, der wissenschaftliche Grundlagen fast spielerisch erklärt und logisch in die Handlung einbaut. Die Zweifel, Ängste und Zerrissenheit David Caines tragen viel zur menschlichen Atmosphäre des Buches bei. Endlich wieder einmal ein Autor, der den Mut zu einem ausgefallenen Szenario mit eigenständigen Figuren beweist und nicht auf ausgetretenen Spuren wandelt.

Adam Fawer
Null
592 S., EUR 19,90
Kindler Verlag
ISBN 3-463-40476-1


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Letztes Update: 24-01-2006 11:34

Veröffentlicht in : Buch, Krimi / Thriller
Schlüsselworte : fawer, null
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