Was tun, wenn die Leiche auf der Bühne echt ist? Für Kommissar Laviolette keine Frage: Er bricht seinen wohlverdienten Urlaub ab und stürzt sich in die Ermittlungen: Doch statt das kleine Provinznest Sisteron aus seiner Ruhe aufzuschrecken, schließt der Mord es nur fester zusammen.
Der Kommissar stößt auf eine Mauer des Schweigens. Doch die Geister der Vergangenheit sind lebendig geworden, und so kommt es zu einem letzten Showdon zwischen zwei Frauen: Rogeraine , die Patriarchin des Dorfes, die seit einem mysteriösen Unfall im Rollstuhl sitzt, und Gilberte, jung, schön, blond - und tot.
Wenn Laviolette am Ende einen Strauß Vergissmeinnicht auf einen halb vergessenes Grab legt, sagt er selber von sich: Ich bin ein romantischer Trottel. Aber er sagt es ohne Bedauern oder Reue, denn nur eine romantische Seele mit dem festen Glauben an die Liebe kann die Menschen von Sisteron dazu bewegen das Geheimnis um die schöne reiche Rogeraine Gobert und ihre Vergangenheit zu lüften. Es ist eine Geschichte, die im zweiten Weltkrieg mit einem Verrat und einer grausamen Strafexpedition ihren Anfang nimmt und am Totenbett eines krebskranken Mannes endet. Doch Rogeraine ist eine harte Kämpferin, die nicht vorhat, sich von Mördern, Polizisten oder Geistern unterkriegen zu lassen.
Natürlich kommt bei einem guten Krimi am Ende immer alles anders, als man denkt, doch man folgt dem Kommissar gerne auf seiner Suche durch das mittelalterliche Provence-Städtchen mit seiner Atmosphäre der Stille und der Nostalgie und seinen schwülen Blumendüften. Und man flogt ihm in die Häuser, in denen sich seltsame, von der Vergangenheit gezeichnete Menschen verbergen. Mit scharfem Blick fürs Detail zeichnet der Autor ihre Gebrechen, ihre Eigenheiten, aber auch ihre Stärke. Das Ergebnis ist das leicht skurrile Bild eines Ortes, der wie geschaffen ist für den Mord aus Liebe. Oder sollte sich doch etwas ganz anderes hinter en Vergissmeinnichtsträußchen der toten Gilberte verbergen?
Über den Autor:
Pierre Magnan wurde am 19.9.1922 in Manosque (Basses-Alpes) geboren. Er hat über 20 Bücher veröffentlicht, von denen mehrere in Frankreich und anderen Ländern preisgekrönt, in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt wurden. Als erstes erschient 1999 Das ermordete Haus in deutscher Übersetzung. Das Zimmer hinter dem Spiegel (dt. 2000) wurde mit dem renommierten Prix du Quai des Orfèvres für den besten Kriminalroman ausgezeichnet. Pierre Magnan lebt noch heut in Manosque; die Provence ist Inspiration und Hintergrund seines ganzen literarischen Werks.