Ein Massengrab mit acht Leichen bestätigt dem FBI eine grausame Vermutung: Robert Backus, Killer und Agent, ist zurück. Um den wahnsinnigen Serienmörder diesmal endgültig unschädlich zu machen, wird die in Ungnade gefallene Agentin Rachel Walling eingeschaltet, deren Mentor Backus war. Doch dann taucht jemand am Tatort auf, mit dem niemand gerechnet hatte: Privatdetektiv Harry Bosch, der versucht, den Tod seines Freundes Terry aufzuklären. Bald treten Verbindungen zutage, die eine Zusammenarbeit fast unumgänglich machen.
Einst gehörte Rachel Walling zu den Top-Leuten des FBI, heute schiebt sie in North Dakota Strafdienst. Grund dafür war ein verhängnisvoller Fehler, den sie sich in Zusammenhang mit dem Fall des Serienkillers Robert Backus, in den Medien besser bekannt unter dem Namen „der Poet“, geleistet hat. Ironischerweise scheint jetzt eben dieser Poet ihr Rückfahrschein in den aktiven Dienst, denn der für tot erklärte Killer hat wieder zugeschlagen. Doch Rachel erkennt bald, dass man ihr weniger die Rolle einer Agentin als die eines Lockvogels zugedacht hat. Plötzlich ist ihr einziger Verbündeter in diesem Kompetenzgerangel ein alternder Privatdetektiv, der gerne unbequeme Fragen stellt.
Anzeige Der Tod seines alten Kumpels Terry hat den Ex-Polizisten und Privatschnüffler Harry Bosch tief aufgewühlt. Als dessen Witwe Graciela mit dem Verdacht an ihn herantritt, Terry sei ermordet worden, ist er sofort bereit, den Fall zu übernehmen. Je tiefer er in die Materie eindringt, desto mehr verdichtet sich ein grausamer Verdacht. Terry, der bis zu seiner Herztransplantation selber für das FBI tätig war, hatte auch nach seiner Pensionierung nicht mit seinen alten Fällen abgeschlossen. Hat Robert Backus, „der Poet“, seine Finger im Spiel? Ein Photo scheint zu beweisen, dass der Killer tatsächlich auf Terrys Boot war.
Was ist für einen Autor verführerischer, als sich an einen zweiten Teil zu wagen, wenn der erste gut lief? Nichts, möchte man meinen, doch Michael Connelly setzt noch einen drauf: Er verbindet seinen erfolgreichen Serienkiller Backus, der sein Debut in Der Poet hatte, mit den Romanen der Harry-Bosch-Reihe, und als sei das nicht genug, spickt er den Roman noch mit Hinweisen auf seinen mit Clint Eastwood verfilmten Roman Das zweite Herz. Da stellt sich eine Frage: Ist der Roman als eigenständiges Ganzes wirklich so schlecht, dass er das nötig hat? Das Hauptproblem in der Konzeption ist offensichtlich: Der Leser kennt von Anfang an den Täter. Die Hinweise, dass es sich um den Poeten handelt, lassen keine andere Deutung zu und auch die Tatsache, dass beide Fälle miteinander zu tun haben, wird nie in Frage gestellt.
Spannung bezieht Die Rückkehr des Poeten hauptsächlich aus der akribischen Spurensuche der Ermittler Walling und Bosch, und über weite Strecken geht diese Rechnung tatsächlich auf. Die Ansammlung von Unsympathen, denen sich Rachel ausgesetzt sieht, ermöglicht eine gewisse Identifikation, und auch Boschs Kampf, ein guter Vater zu sein, wirkt menschlich. Dennoch ist der Roman für einen Leser, der mit Connellys Werk nicht vertraut ist, gerade am Anfang etwas überfrachtet und verwirrend. Auch wenn es vielleicht nicht so gemeint war, wirkt vieles doch wie Eigenwerbung des Autors. Dabei ist der Roman in sich spannend geschrieben und hätte etwas mehr Eigenständigkeit durchaus verdient gehabt.
Fazit: Routinierter Thriller, als Einstieg in Connellys Romane jedoch ungeeignet