Das
Fest naht, die letzten Geschenke werden eingekauft. Unsere Redakteure möchten
Ihnen hier weitere Buchtipps fürs Fest vorstellen. Und damit man ungestört im
Bett lesen kann, ohne den Partner mit Licht zu stören, gibt es in unserem
Buchshop den exklusiven Nightreader.
Hans Peter Roentgen
Paula
Fox Luisa (Originaltitel: A
Servant's Tale) Aus dem Englischen übersetzt von Alissa Walser Roman C.H.
Beck, August 2005 gebunden, 443 Seiten, 22,90 Euro ISBN 3-406-53549-6
Meinung "Eine Lebensgeschichte zwischen New York und der Karibik"
„Eine der besten Romanschriftstellerinnen
Amerikas mit einem ihrer besten Bücher, ein weises, wunderschönes Buch,
das einen gefangennimmt, durch und durch ehrlich und voller
menschlicher Reife.“
Shirley Hazzard
Luisa de la Cuevas, die auf der kleinen Karibik-Insel San Pedro zur
Welt kommt, ist die Tochter des Sohns einer reichen Plantagenbesitzerin
und einer Küchenhilfe. In ihren ersten Lebensjahren ist sie erfüllt von
der Schönheit der Insel, dem Leben in der Stadt, der Liebe ihrer
Großmutter mütterlicherseits, aber sie erlebt auch die Machtkämpfe
zwischen den wenigen Reichen und dem Heer der Abhängigen, die harschen
Gesetze sozialer Hierarchien. Ihre Großmutter väterlicherseits bleibt
eine ferne, rätselhafte Gestalt in ihrem riesigen Haus.
Jeannette
Walls Schloss aus Glas (Originaltitel: The
Glass Castle) Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Hoffmann
und Campe, 2005 gebunden, 384 Seiten, Euro 19,95 ISBN 3-455-08004-9
Mal witzig, mal todtraurig, aber immer wahr ist diese Geschichte einer ungewöhnlichen Kindheit.
»Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht
doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem
Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer
durchwühlte.«
Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Sie hat einen Vater,
der mit ihr auf Dämonenjagd geht, ihr die Physik erklärt und die Sterne
vom Himmel holt. Da nimmt sie gerne in Kauf, immer mal wieder mit
leerem Bauch ins Bett zu gehen, ihre egomanische Künstlermutter zu
ertragen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Mit
den Jahren allerdings werden die sozialen Verhältnisse schlimmer, die
Sprüche des Vaters schaler und das Lügengebäude der Eltern so
zerbrechlich wie das Schloss aus Glas, das der Vater jahrelang zu bauen
versprochen hatte.
Rückblickend erzählt Jeannette Walls von ihrer Kindheit in
einer Familie, die man sich verrückter und unkonventioneller, aber auch
unverantwortlicher nicht vorstellen kann.
Ein rasend komischer Roman über die Liebe und junge Helden, die nicht erwachsen werden wollen
Henry Hinze fährt Taxi und lebt in einer WG mit dem Musikjournalisten
Walter und dem Computerfrickler Gonzo. Der Mittelpunkt ihres Lebens ist
jedoch eine behagliche Kneipe im Erdgeschoß ihres Neuköllner Hauses.
Hier trifft sich allabendlich eine Handvoll skurriler Typen bei alten
Hits und Faßbier. Als Henry eines Morgens verkatert erwacht, traut er
seinen Augen kaum: Andrea, die allseits angehimmelte Tresenfrau aus dem
"Wohnzimmer", hat bei ihm übernachtet. Was genau geschehen ist, daran
kann er sich nicht erinnern. In Henrys Umfeld aber ist man zunächst
wenig begeistert ...
Michelle
Paver Wolfsbruder Chronik der Dunklen Wälder Aus
dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung Mit Vignetten
von John Fordham cbj, München 283 Seiten, gebunden, 12,90
Euro ISBN 3-570-12905-5
Meinung " ein Steinzeitjunge wird von einem Dämon gejagt,
nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant"
Zwölf Sommer lang hat
Torak mit seinem Vater in den Wäldern verborgen gelebt. Nun ist der
Vater tot, ermordet von einem Bären, in dem sich alle dunklen Mächte
vereinen, und Torak ist zum ersten Mal in seinem Leben allein. Sein
einziger Gefährte ist ein junger Wolf, elternlos und halb verhungert
wie er – bis er das Mädchen Renn kennen lernt, die die beiden fortan
begleitet. Doch der Hunger und die Jäger des Rabenclans sind die
geringsten Gefahren, die Torak fürchten muss! Denn zwischen den
flüsternden Bäumen wartet ein Wesen auf ihn, schrecklicher und
bösartiger als es ein Mensch je gesehen hat, und Torak allein kann es
besiegen ...
Toru Okada, ein unzufriedener Mann von 30 Jahren, gerade ohne Arbeit,
von seiner tüchtigen Frau zur Selbsterforschung ermutigt, ist Held des
Romans, eines Romans über die verschüttete Seele des globalisierten
Menschen, der zwar fliegen kann, aber nur wie ein Spielzeugvogel, den
irgend jemand aufgezogen hat.
Albert Sánchez Pinol Im Rausch der Stille 6 CDs,
Gekürzte Lesung
Laufzeit ca. 480 Minuten
Übersetzt von Angelika Maass Vorgelesen von Bernd Michael Lade
Argon Verlag ISBN 387024013X
Ein irischer Freiheitskämpfer flüchtet ans Ende der Welt, er sucht die
Einsamkeit auf einer Insel unter dem Sturm. In einem alten Leuchtturm
glaubt er sich sicher. Aber schon in der ersten Nacht geschieht etwas
Seltsames: Unheimliche Wesen aus dem Wasser greifen ihn an. Doch aus
einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod entbrennt schließlich eine
besessene Liebe ...
In diesem Roman erzählt er von drei Jugendlichen, die am Rande
der menschenleeren Taiga, in der Nähe eines Straflagers leben. Eines
Tages sehen sie im Kino einen "Belmondo"-Film. Sie beginnen,
vom Westen zu träumen, sie ahnen, daß es eine andere Form des Lebens
geben muß als Planerfüllung und Wodkakonsum. Jedem der drei eröffnet
die Begegnung mit Belmondo die Möglichkeit zur Flucht, die aber
gleichzeitig den Verlust der Unschuld bedeutet...
Die aus Jerichow stammende Gesine Cresspahl, die 1953 aus der DDR in
den Westen kam, fand zunächst in einer NATO-Dienststelle, dann bei
einer Bank Arbeit. Sie lebte in Düsseldorf, wo sie ihre Tochter Marie
bekam, deren Vater, der inzwischen tote Jakob Abs, in den Osten
zurückgekehrt war. 1961 ist sie nach New York gegangen und lebt dort
nun seit sechs Jahren. Die zehnjährige Marie, der Gesine >>für
wenn ich tot bin<< auf Tonband spricht, erlebt New York als
eigentliche Heimat, während Gesine weiter danach sucht. Der erste
Romanteil blickt zurück ins Jerichow der NS-Jahre, ebenso der zweite,
um die Mutter zentrierte, der dritte widmet sich dem Vater in der
Nachkriegszeit. Am Schluss steht die Gegenwart stärker im Vordergrund:
1968 bereitet sich Gesine auf eine Arbeitsphase in Prag vor, der einem
wichtigen Kreditprojekt zwischen ihrer Bank und der CSSSR gelten soll.
Das Ende des Prager Frühlings wird dieses Projekt überflüssig machen,
der Tod ihres langjährigen Freundes D. E. lässt auch das private
Schicksal Gesines offen erscheinen.
In einem atemberaubenden epischen Roman macht Louis de Bernières eine
vergessene Stadt im Südwesten Anatoliens zur Mitte der Welt. Mit
schillernden Farben erschafft er einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren
Türken und Griechen, Christen und Muslime in Frieden nebeneinander
lebten. Louis de Bernières lässt Iskander den Töpfer auftreten, dessen
skurrilen Sprichworte als weise gelten, Georgio den Händler, der sein
Glück sucht und einen Brunnen stiftet, Rustem Bey, der osmanische
Landbesitzer, der eine Frau verliert und in Istanbul eine Mätresse
findet, und schließlich die schöne Philotei, an deren Liebe zu Ibrahim
sich die Stadt entzweit. An ihrer Leidenschaft zerreißt das fragile
Gewebe aus gemeinsamer Not und karger Freundschaft, aus kleinen
Betrügereien und großen Heldentaten. Hatte man bis vor kurzem noch
Türkisch mit griechischen Buchstaben notiert, stirbt die Toleranz über
Nacht und werden Nachbarn zu Mördern, bis im Untergang des Osmanischen
Reiches ganze Völker ihr Land verlieren. Die Stadt wird zerstört und
schließlich leben nur noch Eidechsen in den Ruinen.