Man muss ihn schon mögen, den spröden Burschen aus dem hohen Norden: Privatdetektiv Varg Veum ist sein Name. Nicht nur sein seltsam anmutender Name verwirrt, auch die Stimmung und die Schauplätze des Buches lassen verwundern: Denn nichts ist so, wie man es sich im schönen, romantischen, sagenumwobenen Skandinavien vorstellt.
Im Gegenteil, die Orte, an die es unseren Privatdetektiven zieht sind eher schmutzig, düster und ungemütlich. Kurz, statt an malerischen Fjorden ist sein Milieu die Häuserschluchten der verkommenen Suburbs der Hafenstadt Bergen. Mit den entsprechenden Menschen kommt er in Kontakt.
Der Protagonist Veum trägt aber auch eine melancholische Seite mit sich herum; er verzehrt sich nach Liebe. Doch auch dieses schöne Gefühl wird milieugetreu geschildert: ein wenig machohaft, dreckig, kaum romantisch oder gefühlvoll.
Privatdetektiv Veum wohnt gleich neben einer Zahnarztpraxis. So wie für die meisten Menschen das Geräusch eines Bohrers wohl unangenehm ist, so selbstverständlich gehört dieses Geräusch zum Leben Veums. Er hört es jeden Tag durch die Wand seiner Wohnung. Eines Tages sind die vertrauten Geräusche plötzlich anders. Veum bricht in die verschlossene Zahnarztpraxis ein und macht eine grausige Entdeckung: ein Mann liegt auf dem Boden, mit einem Arztkittel bedeckt, sein Kopf ist eingeschlagen. Im Nachbarzimmer hört man das Geräusch eines Bohrers, abgespielt von einem Kassettenrecorder.
Dieser Fund ist Ausgangspunkt von Die Toten habens gut. Schlich und still, langsam und ohne Eile, wie es vielleicht zur skandinavischen Art gehört beginnt Veum den Fall aufzurollen.
Ohne zu viel Blutvergießen , ohne zu viel Gewalt kommt dieser Krimi aus. Unumstrittene Hauptfigur ist Veum. Er stellt sich in allen Einzelheiten, mit seiner leicht sarkastischen Art dem Leser vor.
Dieser muss nun entscheiden, ob er, dem skandinavischen Publikum folgend, begeistert ist von Staalesen Krimi oder ob er sich für die doch so kalte Art Veums nicht erwärmen kann.
Die Toten habens gut ist ein recht schnell und flüssig zu lesender Krimi, der so ganz ohne das "schöne Schreiben" auskommt. D.h., es herrscht sowohl eine kühle Sprache vor , als auch eine ebensolche Stimmung. Unterstrichen von der Art Veums.
Dennoch ist Staalesens Krimi zu empfehlen. Ihm fehlt es nicht an Spannung und eben dem, was einen Krimi ausmacht.
Über den Autor:
Gunnar Staalesen wurde 1947 in der norwegischen Hansestadt Bergen geboren. Durch seine Krimireihe, die sich um den Privatdetektiv Veum dreht, wurde er zu einem der bekanntesten Krimiautoren Norwegens.
Gunnar Staalesen hat neben Englisch, Französisch auch Literaturwissenschaften studiert. Er beschäftigte sich schon seit seiner Kindheit mit Büchern und sieht sein eigenes Schreiben nur als logische Fortführung seiner Bücherleidenschaft.
Er wohnt mit seiner Familie immer noch in Bergen, wo er bis 1987 hauptberuflich als Dramaturg am Theater arbeitete. Seitdem widmet er sich ganz dem Leben als Schriftsteller
Gunnar Staalesen Die Toten haben's gut
284 Seiten, Taschenbuch, Scherz Verlag
ISBN