Juri ist 11 Jahr alt und eigentlich Russe. Doch schon seit einigen Jahren lebt er zusammen mit seinem Vater Slawa und seiner Mutter in Deutschland in dem Städtchen Rheinburg. Slawa war Alkoholiker und als Juri 8 Jahre alt war, verließ seine Mutter eines nachts plötzlich die Familie.
Nun, einige Zeit später, hat Slawa ein neues Leben angefangen und zieht mit seinem Sohn zusammen nach Merzheim zu seiner neuen Freundin Martha und ihrer Tochter Linda. Doch für Juri, der schmerzlich seine Mutter vermisst und im Allgemeinen nicht genau weiß, wo er jetzt eigentlich hingehört, ist alles nicht so einfach.
uch auf Juri wartet in Merzheim ein vollkommen neues Leben. Er muss auf eine andere Schule, wo er niemanden kennt und vermisst neben seiner Mutter auch immer mehr seinen besten Freund Aljoscha aus Rheinburg, der ebenfalls aus Russland stammt.
Als Neuer muss er sich so manches gefallen lassen und als er schließlich von einigen Jungen aus seiner Klasse Schneebälle an den Kopf geworfen bekommt und als „dummer Russe“ beschimpft wird, fängt er eine Prügelei an. Darüber sind natürlich weder die Lehrer, noch sein Vater froh, doch Juri muss mit der neuen Gegebenheit erst umgehen lernen.
Auch zu Hause muss sich Juri an die neue Situation gewöhnen, nun eine große Schwester zu haben. Doch die vergisst sogar am ersten Tag rechtzeitig zu Hause zu sein, um Juri, der von der Schule kommt und keinen Schlüssel hat, hereinzulassen.
Die einzige Person, zu der Juri eine gewisse Verbindung aufbaut, ist Nora aus seiner Klasse, die genau wie er ein Herz für Natur und Tiere hat und den Wald liebt. Nora erzählt, dass ihre Katze verschwunden ist und als Juri in einer Winternacht Pfotenabdrücke im Schnee entdeckt, hofft er Noras Katze wieder zu finden und vielleicht darauf hin mit ihr Freundschaft schließen zu können. Doch die Abdrücke gehören nicht zu einer Katze, sondern zu einem viel größeren Tier, wie Juri später zusammen mit Nora feststellen wird.
Die Autorin erzählt hier die ziemlich traurig angehauchte Geschichte eines kleinen Jungen, für den das Schicksal nicht immer Gutes bereit hielt. Verlassen von seiner Mutter, fragt er sich unentwegt, warum sie nicht einmal „tschüss“ gesagt hat und ob er sie jemals wieder sehen wird. Zur gleichen Zeit fällt es Juri unheimlich schwer mit anzusehen, wie zärtlich sein Vater Slawa mit seiner neuen Freundin umgeht und Juris Mutter langsam zu vergessen scheint. Juri nimmt nach außen hin alles ziemlich gelassen hin, doch wie es in seinem Inneren aussieht, kann man zwischen den Zeilen deutlich lesen.
Sehr viel Aktion enthält die Geschichte, die wohl eher zum Nachdenken anregt, nicht. Einzig bei der Suche nach dem Tier, dass die Pfotenabdrücke hinterlassen hat, wird es ein wenig spannend.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der von der Autorin oft verwendete parataktische Satzbau. Dieser spiegelt zwar auf formaler Ebene die Gefühlswelt von Juri wider, liest sich aber etwas abgehackt.
Dafür sind im Text vereinzelt russische Ausdrücke eingestreut, die die Geschichte eines russischen Kindes noch realistischer erscheinen lassen. Durch die Erzählungen von Slawa und Juri über das Russland, in dem sie früher gelebt haben, erfährt der Leser aber auch etwas über das Land, in dem im Winter alle Seen zufrieren und der Schnee meterhoch liegt.