Im Dreißigjährigen Krieg verliert der vierzehnjährige Randolf seine Familie. Der Junge ist nun auf sich allein gestellt, kämpft ums Überleben. Vom Vater hat er vom silbernen Segel gehört. In seinen letzen Minuten hat dieser seinen Sohn aufgefordert, danach zu suchen. Doch wo soll er nur anfangen?
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Zunächst muss Randolf sich darum kümmern, den Winter zu überstehen und nicht zu erfrieren und zu verhungern. In seiner Uneigennützigkeit rettet er ein Mädchen, dass mit einer Kutsche auf dem Fluss eingebrochen ist, vor dem Ertrinken und hilft, sie nach Hause zu bringen. Ihr Vater sieht Randolf mit Missbilligung an. Doch der Kutscher versichert ihm, dass sie ohne Randolf, das Unglück nicht überlebt hätten. So gibt der reiche Mann Randolf ein Goldstück. Doch Lilli ist entsetzt, dass ihr Leben nicht mehr wert sein soll. Sie möchte Randolf wiedersehen. Ohne das Wissens ihres Vaters. Geschickt übermittelt sie Randolf eine entsprechende Nachricht. Die beiden schließen Freundschaft und mir Lillis Hilfe wird das Leben für Randolf etwas erträglicher.
Eines Tages trifft Randolf den Gaukler Armado, der so viele interessante Geschichten kennt. Eine gute Gelegenheit, ihn nach dem silbernen Segel zu fragen. Und tatsächlich kennt er eine Geschichte, die ein altern Mann im Norden ihm erzählt hat. Allerdings meint er, sei die Geschichte erfunden. Doch für Randolf enthält die Geschichte genug Hinweise und er weiß nun, in welche Richtung er suchen muss. Er muss ans Meer nach Hamburg, auch wenn es ihm schwer fällt, sich von Lilli zu trennen.
Unterwegs macht er Halt in einer kleinen Stadt und weil sich ein Gewitter anbahnt, sucht er Unterschlupf in einer Gaststube. Hier trifft er den angehenden Waffenschmied Guntram. Ein seltsamer Bursche, der Randolf zurecht Angst macht. Um sein dämonisches Wesen zu besänftigen, erzählt Randolf ihm vom silbernen Segel, während der Waffenschmied an einem Amulett arbeitet. Randolf hat ein ähnliches in seinen Träumen gesehen und er überredet Guntram, ihm dieses anzufertigen und den seltsamen Spruch hineinzuprägen, der ein Rätsel zu sein scheint. Auch der Kapitän, der den Schmied beauftragt hat, das erste Amulett zu fertigen, hat ihm einen seltsamen Spruch genannt, doch er kann sich nur an zwei Worte erinnern. Dennoch erhält Randolf wieder eine Reihe von Informationen, die ihm den weiteren Weg weisen.
Sein neues Ziel ist Glücksstadt und tatsächlich findet er den Auftraggeber des ersten Amuletts, Kapitän Eisenfuß. Randolf findet eine Gelegenheit, auf dessen Schiff zu kommen. Er erwähnt das silberne Segel und kann an der Reaktion des Kapitäns erkennen, dass er ein wichtiges Ziel auf seiner Reise erreicht hat. Der Kapitän will Randolf nicht mehr gehen lassen. Er nimmt den Jungen gefangen, lässt ihn in einen engen, staubigen Raum sperren und legt eilig mit dem Schiff ab.
Die abenteuerliche, fantastische Geschichte fesselt von der ersten Seite an. Mit Spannung verfolgt man, wie Randolf auf seiner gefahrvollen Reise immer mehr Hinweise erhält und nach und nach das Puzzle zusammensetzt. Randolf ist der Held der Geschichte, ein sympathischer Junge, den man als Leser gerne begleitet. Von den Geschehnissen und stimmungsvollen Situationen wird man regelrecht in den Bann gezogen. Über das Ende lässt sich streiten. Ganz zufrieden wird wohl der eine oder andere Leser damit nicht sein. Es ist dann doch recht unspektakulär, nach all den Abenteuern. Es geht darum, zu erkennen, was wichtig ist im Leben und um die Wahl zwischen Gut und Böse.
Dennoch ist es ein lesenswertes Buch, gut geschrieben, in einfacher und klarer Sprache und mit historischen Sachinformationen, beispielsweise zum Dreißigjährigem Krieg.
Wolfram Eicke
Das silberne Segel
rororo rotfuchs
Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg
254 Seiten, gebunden, 12,90 Euro
ab 10 Jahren
ISBN 3-499-21319-2