Auch Catalina hat die Gabe, genau wie ihre Urgroßmutter. Die Alleinerbin von Goiena, einer der größten Höfe in Arrazoas, soll lernen diese Begabung zu nutzen. So verbringt sie viele Stunden mit ihrer Mutter Graciana und der Großmutter Domenja, um ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Sie lernt die Namen der Pflanzen und Kräuter, und übt sich im herstellen von Salben, Tinkturen und Tränken. Bald weiß sie, welches Mittel gegen welche Krankheit verabreicht wird und welche Worte sie bei der Zubereitung sprechen muss.
Als Mutter und Großmutter Catalina nichts mehr beibringen können, schicken sie sie nach Tabira. Der Arzt Don Diego de Olea war ein Freund ihrer Urgroßmutter. Catalina soll nun von ihm lernen, wie man Knochenbrüche heilt und Blutungen stillt. Sie soll die beste Hebamme von Atxondo werden. Doch der alte Arzt warnt Catalina auch ausdrücklich. Niemals soll sie von ihrer Gabe, die ihr die Mari am Tage ihrer Geburt verliehen hat, sprechen. Er weiß, dass bald wieder einige Mitbürger der Hexerei und der Ketzerei angeklagt werden. Daher darf Catalina niemals preisgeben, dass sie in die Zukunft eines Kranken sehen kann. Auch sie würde sonst unweigerlich auf dem Scheiterhaufen enden.
Die junge Heilerin Catalina ist eine beeindruckende Figur. Mit Spannung verfolgt man ihren Werdegang zur anerkannten Hebamme. Ausgerechnet sie verliebt sich in den Schreibergesellen Juan de Gesala, der im Auftrag seines Vorgesetzen, Meister Bartolomé, auf der Suche nach Hexen und Ketzern ist. Leider lässt sich die Geschichte nicht so leicht lesen. Das mag an den langen Sätzen liegen, und daran, dass die Autorin statt zu erzählen immer mal wieder in eine Art Berichtsstil hinübergleitet. Die Handlung wirkt dadurch sehr gestrafft. Und auch was die geschichtlichen Hintergründe angelangt, wirkt hier die Erzählweise sehr sachlich. Dennoch wird man von den Geschehnissen in den Bann gezogen. Die ständige Bedrohung in Catalinas Leben ist spürbar. So geht die Geschichte unter die Haut, auch wenn man sehr konzentriert lesen muss.