Es reicht schon völlig, dass
er ins Krankenhaus muss, weil
sein Finger angeschwollen ist
und höllisch wehtut, aber die
Tatsache, dass die junge Frau,
der er sein Lieblingsbuch
ausborgte, plötzlich weg ist,
gibt ihm den Rest. Seinen
Wittgenstein will er wieder
haben.
Zoj, ein 28jähriger Roma, lebt
mit seiner Familie in der Nähe
Nizzas. Seine Frau lief ihm weg
und hinterließ ihm einen kleinen
Sohn, zu dem er keinen wirklichen
Bezug findet.
Er ist ein Büchernarr, am liebsten
liest er Wittgenstein. Die Ausgabe,
die er mit persönlichen Anmerkungen
versah, ist nun in den Händen der
jungen Frau, die sich etwas zu nahe
bei einem explodierenden Wagen
aufgehalten hatte.
Als Zoj sich auf die Suche nach ihr
und seinem Buch macht, stößt er
auf einen Ring von Kinderhändlern,
die auch den Sohn von Liliane, der
Frau aus dem Krankenhaus, raubten.
Zusammen mit seinen Freunden hilft
Zoj ihr, den Kampf gegen die Bande
aufzunehmen und ihren Jungen zu
suchen, wobei sich alle Beteiligten
in höchste Gefahr begeben.
Engelfänger beschreibt ein
unglaublich grausames Thema, wobei
die Sprachgestaltung das Szenario
auflockert. Die Erzählweise ist erfreulich
frisch und teilweise sogar humorvoll und
verhindert, dass die bedrückende
Thematik den Leser zu sehr „nach unten
zieht“.
Der Wechsel zwischen Erzähler und
der Ich-Perspektive ist teilweise
verwirrend, ändert aber nichts an der
Tatsache, dass es sich um einen guten
und lesenswerten Kriminalroman
handelt.
Über den Autor:
Jean-Bernard Pouy arbeitete nach
seinem Studium als Journalist,
Drehbuchautor, Lektor und Lehrer.
Er schrieb seinen ersten Krimi für
die „Série noire“ im Jahr 1984. Für
seine Werke erhielt der Autor
zahlreiche Auszeichnungen.
Jean-Bernard Pouy
Engelfänger
(Originaltitel: La pêche aux anges)
Aus dem Französischen von Elke Bahr
164 Seiten, Distel Literatur Verlag
ISBN 3-923208-57-X