4. Internationales Literaturfest Berlin 21. September bis 2. Oktober 2004
Vom 21. September bis zum 2. Oktober findet das 4. internationale literaturfestival berlin (ilb) statt. Auch in diesem Jahr sind mehr als 120 Autor/innen aus aller Welt eingeladen, in Lesungen, Gesprächen und Symposien die aktuellen Entwicklungen von Prosa und Lyrik vorzustellen und Berlin in einen Ort der Poesie und des literarischen Diskurses zu verwandeln. Durch den Erfolg der ersten drei Festivals ist deutlich geworden, dass diese Form der Präsentation literarischer Arbeit das kulturelle Leben Berlins entschieden bereichern kann.
Das ilb ist das internationalste aller internationalen Literaturfestivals und auch damit zu einem der größten und renommiertesten Literaturfestivals der Welt avanciert. Zufriedene Autoren, mehr als 35.500 Besucher im letzten Jahr und eine positive Berichterstattung der in- und ausländischen Medien mögen ein Beleg dafür sein.
Das internationale literaturfestival berlin will mit seinen Veranstaltungen die Vielfalt der literarischen Stimmen aufscheinen lassen. Im Zeitalter der Globalisierung soll es darum gehen, die Autonomie des Ausdrucks der verschiedenen Kulturen zu bewahren wie auch die Kommunikation zwischen den Kulturen auf kreative und innovative Weise zu leben. Neben dem Dialog zwischen den Schriftsteller/innen und dem Publikum werden persönliche Begegnungen der internationalen Autor/innen mit ihren in Berlin lebenden Kolleg/innen lanciert. Durch Patenschaften, die Berliner Schriftsteller in der Zeit des Festivals übernehmen, wird der Rahmen für bereichernde Einzelkontakte geschaffen.
Ermöglicht wurde das diesjährige Festival durch die Mittel des Hauptstadtkulturfonds, der das Festival auch in den kommenden zwei Jahren unterstützen wird.
Ein Kreis von Freunden und Förderern, unter ihnen Außenminister Joschka Fischer, Inge Feltrinelli, Hilmar Hoffmann, Roger de Weck, Jean Ziegler, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Jochen Gerz, Rebecca Horn, Sarah Schumann sowie viele Autoren aus dem In- und Ausland engagieren sich in einem Freundeskreis für eine weitere finanzielle und ideelle Unterstützung des ilb.
Das internationale literaturfestival berlin ist eine Veranstaltung der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. und der Berliner Festspiele. Es steht wie in den Vorjahren unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.
Hauptveranstaltungsort in diesem Jahr ist das Hebbel am Ufer (HAU 1-3). Ergänzend dazu werden Veranstaltungen an zahlreichen anderen Orten stattfinden - in Bibliotheken, Kulturinstituten, Theatern, Friedhöfen und Gefängnissen.
Die Eröffnung des Festivals findet am 21. September 2004 um 18.00 Uhr im HAU 1 statt. Die südafrikanische Schriftstellerin Antjie Krog wird die Eröffnungsrede halten.
Das Festivalprogramm
Das 4. internationale literaturfestival berlin präsentiert wiederum ein umfangreiches Programm, welches sich in die drei Hauptprogramme, weitere Programmsparten sowie die wissenschaftlich und literarisch hochkarätig besetzte Gesprächs- und Diskussionsreihe "Reflections" gliedert. Die eingeladenen Autorinnen und Autoren lesen ihre Texte im Original. Danach tragen Schauspieler die deutsche Übersetzung vor. Anschließend ermöglichen Moderatoren und Dolmetscher Gespräche zwischen dem Publikum und den Autoren.
In der Programmsparte Literaturen der Welt erfolgt das Auswahlverfahren durch elf Juroren, die jeweils drei Autorinnen und Autoren ihrer Wahl nominieren. Die Juroren, international renommierte Kenner der Literatur ihrer Regionen, wählen einen repräsentativen Querschnitt aus den Genres Prosa und Lyrik für das Festival aus. Manche der eingeladenen Gäste sind Autoren von Weltruhm, andere sind zwar in ihren Heimatländern berühmt, in Deutschland aber weitgehend unbekannt. Die Zusammensetzung der Jury wirkt einer nur deutschen oder europäischen Ausrichtung entgegen. Im Vergleich zu den großen Literaturfestivals in Toronto, London, Medellin, Rotterdam und Durban ist die Einberufung einer Jury, deren Mitglieder aus allen Erdteilen kommen, einzigartig.
Neue Juroren des Hauptprogramms "Literaturen der Welt" sind in diesem Jahr Philip Jeyaretnam (Singapur), Iris Radisch (Deutschland) und Mario Vargas Llosa (Peru). Die weiteren Jurymitglieder sind: Alberto Manguel (Kanada/Frankreich), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Martin Mooij (Niederlande), Ilma Rakusa (Schweiz), Véronique Tadjo (Elfenbeinküste/Südafrika), Shashi Tharoor (Indien), Yvonne Vera (Simbabwe) und Eliot Weinberger (USA).
In dem Programm Kaleidoskop werden die Autor/innen von der Festivalleitung eingeladen. Unterstützt wird deren Entscheidung durch die Beratung eines internationalen Netzwerkes von Kuratoren und Freunden. Die Autor/innen dieses Programms ergänzen die Wahl der Jury. Dadurch ist dem Festival die Möglichkeit gegeben, auch auf aktuelle, kulturelle und politische Entwicklungen sowie besonders bemerkenswerte Neuerscheinungen zu reagieren.
Die Programmsparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur präsentiert ein breit gefächertes Lesungs- und Veranstaltungsangebot im schulischen wie außerschulischen Bereich und versteht sich als Initiative zur aktiven Leseförderung. Sie möchte Kindern und Jugendlichen neue und gemeinschaftliche Zugänge zu Büchern und zum Lesen vermitteln, ihnen Horizonte eröffnen, sie emotional, sozial-gesellschaftlich und künstlerisch-handwerklich herausfordern. Die Autorenauswahl dieser Sparte erfolgt in engem Austausch mit einem international besetzten Kuratorium aus Kennern der internationalen Kinder- und Jugendliteraturszene. Das Spektrum reicht vom Bilderbuch, über das Kinder- und Jugendbuch bis hin zur Literatur für junge Erwachsene.
Reflections existiert als Programmsparte seit dem Jahr 2002 - ins Leben gerufen anlässlich des ersten Jahrestages der Ereignisse des 11. Septembers. Sie versteht sich als offenes Forum eines internationalen Gedankenaustausches. Die dramatische Zäsur, mit der das Jahrtausend begann, verdeutlichte, dass der Bedarf an Aufklärung und Erklärungen auch im Informationszeitalter noch gewachsen ist. In Podiumsdiskussionen werden brisante und aktuelle Themen aus Politik, Ökonomie und Kultur debattiert. Dabei werden die Defizite der öffentlichen Wahrnehmung nicht in akademischer Abgrenzung, sondern in interdisziplinärer Vielfalt verhandelt.
Scritture Giovani ist ein Kooperationsprojekt mit drei der bedeutendsten Literaturfestivals in Europa: Dem "Festivaletteratura Mantova", dem "The Guardian Hay Festival", sowie dem "Bjørnsonfestivalen Molde og Nesset". Es dient der Förderung junger europäischer Schriftsteller. Für das Jahr 2004 hat Scritture Giovani vier junge Autoren ausgesucht, die in verschiedenen Sprachen zu dem vorgegebenen Thema "Monster" eine Kurzgeschichte schreiben und im Rahmen der Festivals präsentieren. Darüber hinaus erscheinen die Texte in einem viersprachigen Band.
Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem DAAD, der jedes Jahr und ganzjährig herausragende Autoren aus dem Ausland in Berlin zu Gast hat, werden auch dieses Jahr die Gäste des DAAD mit Lesungen und Diskussionen am Festival teilnehmen.
Die Sparte Erinnerung, sprich bietet die Gelegenheit, Texte bekannter und unbekannter Klassiker (wieder) zu entdecken.
Literatur auf Celluloid präsentiert in einer eng am Festivalprogramm orientierten Auswahl Literaturverfilmungen und Filme, an denen die Autor/innen mitgewirkt haben. Einmal mehr lädt das Festival zum Dialog, ignoriert Grenzen, die zwischen den Künsten immer wieder gerne gezogen werden. Literatur zu adaptieren ist eine große Herausforderung. Dem Kino bei der Umsetzung des Stoffes seine Freiheit zu lassen, ist die weit Größere. Wie das Ergebnis auch ausfallen mag - der Zuschauer entscheidet. Nach jeder Filmvorführung lädt das ilb Publikum und Autor zum gemeinsamen Gespräch.
Das Musikprogramm stellt dem Ausdruck in Worten konsequenterweise die nonverbale Metasprache Musik an die Seite. Junge Musiker stimmen das Publikum mit Kurzstücken auf die Lesung ein. Die Musikbeiträge werden gespielt von den Musikern des Ensembles "work in progress"- Berlin: Tan Kutay, Marimbaphon; Katrin Plümer, Flöte; Clemens Lindmer und Kathrein Allenberg, Violine; Sylvia Schmückle, Klarinette; Gerhardt Müller-Goldboom und Wolfgang Kühnl, Klavier: Neue Musik; Kammervereinigung Berlin, von der Musikerin Elke Fernholz mit Saxophon und vocal: Improvisation sowie von Studenten der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin und Schülern des Musikgymnasiums "Carl Philipp Emanuel Bach".
Das Rahmenprogramm beinhaltet jene Aktivitäten, die über das eigentliche Lesungsprogramm am Hauptveranstaltungsort hinaus die Atmosphäre entscheidend mitbestimmen. Zwölf Tage lang wird Literatur durch besondere Projekte in den öffentlichen Raum hineingetragen. Die Veranstaltungen mit den Gästen des Festivals werden in verschiedenen Einrichtungen Berlins in der Programm-Sparte Specials stattfinden. Erstmals wird das ilb Krimiautoren aus dem In- und Ausland sowie eine Oper (Berenice mit dem Libretto von Durs Grünbein) präsentieren.
Für weitere Informationen: www.literaturfestival.com