spacer
spaceranti virus freeware effects of computer viruses viral rash malicious mother syndrome adware personal se edition ad-ware schedule scan password free full trial version virus removal soundstream vir 4100n anti adware software how to get rid of the trojan virus computer anti virus antivirus and antispyware antivirs 2008
Logo
Rotationsbanner 468x60



 
Hauptmenü
Startseite
Suche
Buch
Hörbuch
Film zum Buch
Vorschau
Videos
Magazin & Interviews
Autoren
Verlage
Forum
News
Service
Branchenbuch
Extras
Shop
Newsletter
Mediadaten/Werbung
Impressum
Newsletter
Wöchentliche Buchtipps, Buchpakete gewinnen & Neuigkeiten - Hier abonnieren

Hinweise zum Newsletterversand
Zu Google hinzufügen
Fügen Sie die literature.de-Rezensionen zu iGoogle hinzu
 

Startseite arrow Magazin & Interviews arrow Kulturnews arrow Jetzt oder nie

Jetzt oder nie PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von literature.de-Team, am 05-07-2001 09:53
Editorbewertung Keine Bewertung
Durchschnittliche Benutzerbewertung Keine Bewertung
Favoriten 14

Zur einbändigen Ausgabe von Uwe Johnsons Jahrestage

von Holger Helbig

Es könnte alles so einfach sein. Die Jahrestage sind in einem Band erschienen, eins der großen, ja monumentalen Bücher des 20. Jahrhunderts. Erzählt wird an 366 aufeinanderfolgenden Tagen der Jahre 1967/68 die Geschichte einer deutschen Familie. Tag für Tag berichtet die Mutter der Tochter, wie es war, als Großmutter den Großvater nahm, damals in Mecklenburg. Die beiden befinden sich in New York, zur zeitlichen Distanz kommt die räumliche. Dennoch betreffen die erzählten Ereignisse Mutter und Tochter ganz unmittelbar, denn ihr Leben in New York ist sozusagen die Fortsetzung der Geschichte. Hier bestellen!Tatsächlich hat das Buch etwas von einer Familiensaga. Zwar sind die Verästelungen des Stammbaums überschaubar, doch fehlt kaum etwas von den Zutaten, die das Genre ausmachen: Liebe auf den ersten Blick, die Heirat, der Standesdünkel in der Provinz, eine anrührende Vater-Tochter-Geschichte, religiöse Verirrung der Mutter, ihr Selbstmord, politische Dramatik von weltgeschichtlichem Zuschnitt, Intrige, Emporkömmlinge, falsche und verläßliche Freunde, der schwierige Frieden und eine zweite Liebe, die mit verhaltener Dramatik an die Wunde einer ganzen Nation rührt. Das Kind Marie hat seinen Vater nie gesehen, was es von ihm weiß, weiß es aus dieser Geschichte. Es ist keine Saga. Der Roman ist mit einer Genauigkeit recherchiert, die jedem Geschichtsbuch zur Ehre gereichen würde. Die Verfolgung und Ermordung der Juden wird als zentrales Problem für das Selbstverständnis der Deutschen, moralisch und politisch, dargestellt. Der Roman behandelt die Frage der Schuld, er fragt nach der geschichtlichen Verantwortung des einzelnen. Seine erzählerische Konstruktion ist ebenso raffiniert wie komplex, das Erzählen selbst erscheint ebenso problematisch zu sein wie der Vorgang der Überlieferung. Dadurch wird eben jene Illusion unterlaufen, die in der Bezeichnung Saga anklingt: die Totalität eines Ereignisses, eines historischen Verlaufs sei durch Erzählen erfaßbar. Der Roman hat - dennoch - ein großes identitätsstiftendes Potential. Er verdankt es der Aufrichtigkeit des Erzählens und dem sprachlichen Zauber. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Ganz gleich, in welcher Ausgabe, ist es eins der Bücher, die zu lesen ein Erlebnis ist. Es ist jeder Leseratte ebenso zu empfehlen wie allen jungen Autoren, die mit dem deutschen Fräuleinwunder nichts anzufangen wissen. Es gibt keine besseren Bücher als die, aus denen die Schriftsteller lernen und abschreiben. Die Jahrestage sind ein solches Buch.

Es ist aber nicht so einfach, denn nicht alle Ausgaben sind gleich geeignet. Die nun vorliegende einbändige Ausgabe trägt den Ansprüchen, die der Roman stellt, nur sehr bedingt Rechnung. Sie unterscheidet sich durch in vier Veränderungen von ihren beiden Vorgängerinnen im Suhrkamp-Verlag. Erstens sind die Druckfehler der vergangenen Ausgaben verbessert worden. Das war bereits von Auflage zu Auflage der Fall und ist auch dieses Mal stillschweigend erfolgt. Zweitens hat man eine Kopfzeile eingeführt, die das Datum des Tages, an dem erzählt wird, enthält. Diese auffällige Veränderung ist eine Kompensation für die dritte Veränderung: die der Seitenzahl. Und viertens ist ein Stück Text verschoben worden, aus etwa der Mitte des Romans an sein Ende.

Uwe Johnsons Jahrestage lagen bei Suhrkamp bisher in vier und in zwei Bänden vor. In diesen Ausgaben hatte das Werk ingesamt 1891 arabisch und 18 römisch numerierte Seiten. In der neuen Ausgabe sind es 1703 mit arabischen und 19 römischen Zahlen. In den bisherigen Ausgaben befand sich der römisch numerierte Teil zwischen den arabisch numerierten Seiten 1008 und 1009. Das heißt, zwischen zweitem und dritten Band. Nun stehen diese Seiten am Ende des einen Bandes, nach der Seite arabisch 1703. Die Passage ist nicht gestrichen worden, was immerhin anerkennt, daß sie zum Roman gehört. Ganz gleich, welche Information die Passage enthält: bisher erfuhren die Leser am Ende des zweiten Bandes davon. Mit dieser Kenntnis waren sie ausgerüstet für zwei weitere Bände. Jetzt erfahren davon sie am Ende des einen Bandes: Der Roman hat einen neuen Schluß!
Nun weiß man, daß Siegfried Unseld sich diese Passage gewünscht hat; genauer: daß Uwe Johnson seinem Verleger mit dieser Passage einen Wunsch erfüllt hat. Im August 1971 berichtet Johnson an Max Frisch von einer Art Kompensationsgeschäft: Unseld befürchtet, Enzensberger als Autor zu verlieren, weil Johnson im zweiten Band der Jahrestage dessen publizistisches Politisieren und die darin zum Ausdruck kommende Meinung kritisiert. Der Verleger äußert Bedenken, doch der Autor bleibt bei seinem Text. Sodann hat der Verleger einen Wunsch, und den erfüllt der Autor. So kam es, daß der Roman nicht gekürzt, sondern erweitert wurde: und zwar um die später mit römischen Ziffern paginierte Passage. Auf diese Weise haben beide etwas gewonnen, der Autor hat seinen Text bewahrt, der Verleger seine Lektürehilfe bekommen. Denn nichts anderes hatte er im Sinn. Johnson schreibt an Frisch, er habe nachgegeben, "als er [Unseld, H.H.] von mir ein episches Register der Personen in Band I und II geschrieben haben wollte. Denn er wusste oft nicht, wer da nun wieder auftrat als Tierarzt, und wollte sich an dessen Einführung vor bloss zweihundert Seiten nicht erinnern. Ich fürchte, es wird ein Register ganz für ihn allein." Man kann getrost davon ausgehen, daß Johnson Schriftsteller genug war, seinen Roman nicht dadurch zu beschädigen, daß er ihm Seiten anklebte zur Hilfe nur für einen einzigen Leser. Davon ging auch Siegfried Unseld aus, der den Lesern etwas weniger zumuten wollte als sein Autor, und sich etwas wünschte, das dieser "episches Register" nennt. Die Bezeichnung zeigt an, daß die fortlaufende Aufzeichnung von Zusammengehörigem, so wird im Grimmschen Wörterbuch die Bedeutung von Register umschrieben, Bestandteil des Erzählten sein soll: episch, und damit nicht beschränkt auf eine bloße Liste. Inwiefern die Passage die Aufgabe eines Registers erfüllt, wäre noch zu klären, ebenso wie die originelle Weise der Integration des Textes in die Erzählung eine eigene Untersuchung verdient.
In der einbändigen Ausgabe ist all dies ignoriert worden. Man hat wohl auch entschieden, daß es unerheblich ist, auf welche Weise das Buch endet, welcher Satz der letzte ist. Diesem rezeptionsbezogenen Einwand entspricht auch ein entstehungsgeschichtlicher. Denn wie sein Buch enden sollte, wußte der Autor schon sehr früh, im Grunde schon zu Schreibbeginn. Die dem Kalender entsprechende Konstruktion wurde auf eine Weise mit dem Inhalt des Romans verbunden, die es ermöglichte, auf ein Ende zuzuschreiben. Ohne jede Spekulation läßt sich sagen: Johnson wußte, daß sein Roman nicht mit einem epischen Register enden würde. Es läßt sich zudem zeigen, daß am Ende der hinzugefügten Passage, am Ende des zweitens Bandes, ein Eigenname stehen sollte: Jakob. Auch dies war ein Erfordernis der sorgfältigen Konstrukion. Ausgerechnet an dieser Stelle hat Johnson das Signal überdeutlich eingefügt. Das war eins der Mittel, um den Text episch zu integrieren.

Wenn dies also eine Leseausgabe sein soll, und das ist der einzige Weg, zumindest zu versuchen, diese Ausgabe zu rechtfertigen, dann ist die Umstellung des Textes unverzeihlich. Sie beschädigt das poetische Potential des Romanschlusses. An den Ansprüchen an eine Standard-Ausgabe gemessen ist es schlicht und einfach eine Verfälschung. Ihr Zustandekommen ist inhaltlich nicht erklärlich. Raimund Fellinger, der zuständige Lektor des Suhrkamp Verlags, hat sich der Umstellung wegen mit Eberhard Fahlke und Norbert Mecklenburg besprochen, beide Kenner des Romans. Die Zuflucht zu den Autoritäten ist ein Zeichen des Unbehagens am eigenen Tun. Ganz wohl war dem Lektor offensichtlich nicht. Er ist nicht unbedacht vorgegangen, er hat getan, was möglich war: Schadensbegrenzung.
Am letzten Tag des Romans spielt eine Seitenzahl eine gewisse Rolle, sie verweist auf eine andere Stelle im Text. Der Lektor wußte um die Schwierigkeit und hat die Zahl im Text entsprechend verändert. Er war sich auch über die generellen Nachteile einer Veränderung der Seitenzahlen im klaren.
So viel Aufhebens um die Veränderung von Seitenzahlen, wo der Text, vom groben Schnitzer abgesehen, derselbe ist? Wenn nicht bei diesem Buch, dann bei keinem. Uwe Johnson hat Material aus den verschiedensten Quellen benutzt und es auf die verschiedenste Weise verarbeitet. Einige Male ganz offen, so daß es sich nicht überlesen läßt, etliche Male genau andeutend, so daß man zum Nachschlagen geradezu eingeladen wird, und nicht weniger häufig versteckt, so daß man Freude am Finden haben kann. In den Text verwoben sind literarische und historische Bezüge der spielerischen oder ernsthaften Art, zum Teil verbinden sie Stellen, die mehr als 200 Seiten auseinanderliegen. All das ist in verschiedener Weise aufgearbeitet, so daß jeder Leser seinen Interessen entsprechend nachschlagen kann: wenn er denn die richtige Seitenzahl hat.
Wenn der Leser der einbändigen Ausgabe sich informieren will, wird er, auch in der im selben Verlag erschienenen Literatur, andere Seitenzahlen finden. Bei Suhrkamp wird daher erwogen, das Kleine Adreßbuch, ein nützliches aber unepisches Begleitbuch zum Roman, entsprechend zu verändern. Auch die Literatur, die zur Verbesserung der Neuausgabe benutzt wurde, ist nun nicht mehr ohne weiteres zu verwenden. Um das Auffinden von Belegen zu erleichtern, ist eine Kopfzeile eingefügt worden, die das jeweilige Tagesdatum anzeigt. Das ist vor allem für Benutzer des Kommentars zu den Jahrestagen von Vorteil, denn dort ist das Datum ebenfalls in einer Kopfzeile vermerkt. - Angesichts dieser Zustände bleibt die vierbändige Ausgabe nach wie vor Standard, für die Wissenschaft ohnehin. Sie ist auch als Taschenbuch erhältlich, und der Lektor versicherte, sie bleibe weiterhin lieferbar. Warum überhaupt eine neue Ausgabe? Der Verlag beruft sich auf den Wunsch des Autors. Dagegen ist nichts zu sagen, aber warum mußte der Text neu umgebrochen werden? Die Antwort ist einfach, sie braucht nur etwas Platz:

Besser als gebundene Bücher verkaufen sich Taschenbücher. Damit so ein Taschenbuch eine Weile hält, darf der Umfang eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten. Damit man noch etwas erkennen kann, darf das Papier nicht gar so dünn sein. Aus diesen beiden Werten ergibt sich, wie eng der Text maximal gesetzt sein darf. Nach diesen Vorgaben wurde der Text neu umgebrochen. Der Kostenersparnis wegen erschien die dazugehörige gebundene Ausgabe mit demselben Satzspiegel. Das ist vom Ende aus gedacht. Und das Ende ist der Markt. Das erklärt auch, warum so kurz nach der zweibändigen eine einbändige Ausgabe erscheint. Es sollte etwas neues in den Läden sein, rechtzeitig zum Film, rechtzeitig zum Johnson-Preisrätsel: Kennen Sie die Jahrestage? Nie waren sie so billig wie heute.
Die neue Ausgabe der Jahrestage ist ein Buch zum Film. Jetzt oder nie: Eine marktstrategische Entscheidung, bemäntelt mit dem Willen des Autors. Und das Buch zum Film gibts obendrein.

Bestellen Sie es bei unseren Partnern: [amazon] oder [libri]

Letztes Update: 05-07-2001 09:53

Veröffentlicht in : Magazin, Kulturnews
Artikel zitieren Zu meinen Favoriten hinzufügen An Freund senden Ähnliche Themen

Benutzerkommentare (0) RSS feed Kommentar
Nur registrierte Benutzer können einen Artikel kommentieren. Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich.

Keine Kommentare vorhanden

Fügen Sie Ihren Kommentar hinzu



mXcomment 1.0.6 © 2007-2008 - visualclinic.fr
License Creative Commons - Some rights reserved
< Zurück   Weiter >
spacer
Suche
Anzeige


Ihre Anzeige hier
Anmeldung
Warum anmelden?
Mehr erfahren...
Statistik

9.236 Rezensionen, 1.509 Autorenporträts,  1.865 Clubmitglieder, uvm.

Wer ist Online
Aktuell sind 758 Gäste online
Ähnliche Themen
Anzeige
Dauer-Spezial der Bahn (früher Surf&Rail)
RSS-Feeds


Hörbücher hier herunterladen!

Impressum  |  Kontakt  |  AGB  |  Blog  |  FAQ  |  Werben auf literature.de  |  Presse  |  Jobs  |  RSS-Feeds

Partner: frueherlesen | blaetterrauschen | Zu Google hinzufügen

© 1998-2008 literature.de - literaturschau-mediendienst und content-newmedia.de  |  litstats

Alle Rechte vorbehalten - kein Teil der Inhalte darf auf anderen Seiten / in anderen Medien ohne Zustimmung von literature.de verwendet werden!

Empfehlungen:

spacer