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Idiotentest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hans Peter Roentgen, am 11-10-2005 08:00
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Tom Liehr - Idiotentest - Weiterlesen!Mit dem Taxi ins Wohnzimmer : Idiotentest


"Die Politesse lächelte ihn an. Gonzo merkte davon nichts und dachte wahrscheinlich über die Technik ihres Handheld-Computers nach, mit dem sie die Parksünder elektronisch erfaßte. Das einzige Gespräch, das er mit dieser Frau führen würde, ginge um die Verbesserungsmöglichkeiten an diesem Gerät. "Fahren Sie jetzt bitte weg?" fragte sie unseren Nasenmann. "Aber stante pede", antwortete ich und schloß den Wagen auf.
"Na. Dann werde ich noch mal Gnade vor Recht ergehen lassen."
Ich sparte mir ein "wie großherzig". Gonzo nahm nichts wahr und stieg grußlos ins Auto. Ein bißchen enttäuscht zog die Strafzetteltante ab.
"Die war scharf auf dich", sagte ich, als wir fuhren.
"Wer?", fragte Gonzo ernsthaft.
Und mir fiel plötzlich siedendheiß ein, daß ich gleich Andrea sehen würde."

Henry Hinze wacht eines Morgens auf und sieht Andrea in seinem Zimmer. Nackt. Das muss ein Traum sein, Dabei haben sie sich geschworen, nichts mit jemandem aus dem "Wohnzimmer" anzufangen. "Sie" das sind die drei Bewohner der Neuköllner WG, neben Henry der Musikjournalist Walter und der Computerfreak Gonzo. Und Andrea ist Bedienung in ihrer Stammkneipe, dem "Wohnzimmer". Im Wohnzimmer trifft man die drei öfter als in ihrer WG.

Andrea wird zum Problem. Henry hat nichts gegen Frauen in seinem Bett, jedenfalls dann nicht, wenn sie bald wieder verschwinden. Alles andere macht ihm Angst. Und Andrea ganz besonders. Denn die sieht er - das lässt sich nicht vermeiden - jeden Abend. Sein sorgfältig ungeregeltes Leben, das er zwischen "Wohnzimmer", Taxifahren und One-night-stands aufgeteilt hat, gerät in Unordnung. Was sagt man in solchem Fall, wie verhält man sich? Im ungeschriebenen Verhaltenscodex des Coolseins findet sich dafür kein Eintrag.

Dann wird sein bester Freund Harry ins Krankenhaus eingeliefert. Es sieht nicht gut aus. Und Henrys Strategie, im Zweifelsfall Nichts zu tun, bricht zusammen. Plötzlich muss er handeln.

Romane über Männer, die nicht erwachsen werden wollen und diesen Wunsch mit viel Alkohol zu verwirklichen suchen, gibt es viele. Schon Karl May hat mit dem blau-rotem Methusalem ein Exemplar davon porträtiert. Nick Hornby ("High Fidelity") und Sven Regener ("Herr Lehmann") haben die aktuelle, die "coole" Variante beigesteuert.

Natürlich tritt vieles davon auch in diesem Buch auf: Die Entschlusslosigkeit, der Stolz auf die eigene Unabhängigkeit, die ganz eigene Szene im "Wohnzimmer". Das ist nicht neu, aber dafür sehr witzig erzählt. Doch so ab Seite 60 steuert der Autor in diesem Buch einen eigenen Kurs. Da entfaltet sich Henrys ureigenste Geschichte. Und die ist wirklich gut dargestellt. Lebendige Personen, eine Schreibe, die zur Geschichte passt und vor allem der Witz fesseln den Leser und bieten ein Leseerlebnis der ganz eigenen Art. Nach meiner Meinung deutlich besser als "Herr Lehmann". Es gibt eben auch in Deutschland Autoren, die erzählen können.

Fazit: Weit weg von cooler Ich-Bespiegelung oder von literarischer Unverbindlichkeit wird hier gekonnt eine Geschichte erzählt, die Hornby durchaus gleichwertig ist. Unbedingt empfehlenswert.

Redakteur: Hans Peter Roentgen

Informationen zum Buch

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Aufbau Verlag
Taschenbuch, 244 Seiten, Euro 7,95
ISBN
3-7466-2183-6

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Letztes Update: 11-10-2005 08:00

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
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