Im Frühjahr 1994 verlässt der Erzähler Belgrad, lässt die Kriegswirren zwischen Serben und Kroaten hinter sich. Er reist nach Kanada. In seinem Koffer: Nur bedeutende und wichtige Dinge - und: Die Tonbänder mit der Stimme seiner Mutter.
Zwei Jahre nach seiner Ankunft im Exil, stößt der Mann auf die Bänder, die er längst vergessen hatte. Er schaltet das Tonbandgerät, das erstaunlicherweise noch immer funktioniert, ein und hört die Stimme seiner Mutter. Seine Gedanken kehren an den Tag zurück, als er ihr zum ersten Mal das Mikrofon auf den Tisch stellte und sie, nur widerwillig, von ihrem Leben erzählen ließ.
Mutterland erzählt die Geschichte einer Serbin, deren gesamtes Leben aus Entbehrungen bestand. Sie verlor durch den Krieg ihren ersten Mann und ihre ersten Kinder, lernte dann einen anderen kennen, der wie sie alles verloren hatte. Gemeinsam trotzten sie allen Widrigkeiten. Als auch er stirbt, wächst, aus der Sicht des Erzählers, der Drang, das Leben seiner Mutter zu dokumentieren, da sein Vater nichts zurück ließ, außer einer großen Lücke - einem weiteren Verlust. Aus der sicheren Distanz seines Exils, erzählt ein junger Flüchtling die brutale Realität, mit der er aufwuchs und die noch brutalere Realität, die seine Eltern, speziell seine Mutter, ihr ganzes Leben lang ertragen mussten und dabei immer nur nach vorne sahen - ohne jemals zu hassen.
Über den Autor: David Albahari, 1948 geboren, lebt seit 1994 in Kanada, nachdem er aus Belgrad dorthin emigrierte. 1997 wurde sein Buch Mutterland mit dem NIN-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten serbischen Literaturpreis.
David Albahari Mutterland (Originaltitel: Stubovi kulture) Übersetzung: Mirjana und Klaus Wittmann 170 Seiten, Eichborn Verlag ISBN 3-8218-0686-9