Der Krippenschnitzer Veit führt ein ruhiges Leben; sein einziges Laster sind die Frauen, von denen er einfach die Finger nicht lassen kann. Als in Bamberg die Hexenfeuer auflodern, wird ihm die Liebschaft zu seiner Nachbarin zum Verhängnis. Nun kann ihn nur noch ein Wunder retten – oder die vereinten Kräfte seiner Frau und seines hochbegabten Sohnes.
Zwischen drei Frauen zu stehen ist auch für einen charmanten Mann nicht ganz einfach. Marie, Ehefrau und Stiefmutter seiner beiden Kinder bietet Veit Sternen Sicherheit, während die geheimnisumwitterte „Otterfrau“ Ada, die alleine im Wald lebt, seine Phantasie ebenso wie seine Lust reizt. Die flüchtige Liebelei mit der Nachbarin Agnes hat er bereits beendet, doch die leidenschaftliche Frau kann sich mit der Trennung nicht abfinden. Als der Weihbischof von Bamberg die Stadt mit seinem Hexenwahn anzustecken beginnt, sieht sie den Augenblick zur Rache gekommen. Doch noch hat Veit mächtige Fürsprecher, allen voran den Fürstbischof der Stadt, der bei dem talentierten Holzschnitzer eine Krippe in Auftrag gegeben hat.
Anzeige Während Veit im Kerker auf seinen Prozess wartet, mobilisiert Marie alle Kräfte, ihren treulosen Gatten vor dem Scheiterhaufen zu retten. Sie schickt Simon nach Italien, um Inspiration für die Krippe zu suchen, und wendet sich selber an Ada, die an wichtige Informationen über den fanatischen Weihbischof gelangt ist. Die Katastrophe erreicht ihren Höhepunkt als sowohl Veits Sohn als auch seine Tochter sich verhängnisvoll und schicksalshaft verlieben.
Die Zeit der Hexenverfolgung hat Schriftsteller immer fasziniert. Leider reizt diese dunkle Epoche der Hysterie, Angst und Grausamkeit die Menschen automatisch zur Polasierung in Gut und Böse, in Weiß und Schwarz, in Opfer und Täter. Autorin Brigitte Riebe versucht recht erfolgreich, dem Thema neue Aspekte abzugewinnen. MitDie Hüterin der Quelle nähert sich sich Gewalt und Fanatismus in einem breit angelegten Sittengemälde, das im beschaulichen mittelalterlichen Bamberg angesiedelt ist. Trotz des Personenreichtums gelingt es ihr dabei, vielschichtige Charaktere zu entwerfen und sogar dem Vertreter des Bösen menschliche Züge zu geben.
So entspinnt sich von der ersten Seite an eine mehrsträngige Handlung, die dafür sorgt, dass der Weg der handelnden Figuren sich immer wieder kreuzt und die Spannung keinen Moment zum Erliegen kommt. Falls es dem Leser so vorkommen mag, als seien bis zum Schluss ein paar zu viele Zufälle in Spiel, so ist immer noch die Größe mittelalterlicher Städte zu bedenken, die sich wenig von der eines modernen Dorfes oder einer Kleinstadt unterscheidet. Und so zeichnet die Autorin ein Bild einer Gesellschaft, die zwar verführbar und feige, aber doch zutiefst menschlich in ihren Nöten und Hoffnungen ist.
Fazit: Spannungsgeladenes Sittengemälde mit optimistischer Botschaft.