Der Zahir bezeichnet eine bis zur Besessenheit übersteigerte Liebe, und genau von einer solchen Liebe wird der Protagonist aus Coelhos neuem Roman, im Übrigen ein erfolgreicher lateinamerikanischer Autor, den es nach Europa verschlagen hat, heimgesucht.
Hätte es seine Frau Esther nicht gegeben, die ihn stets dazu ermuntert hat seinen Traum, einen Roman zu schreiben, zu verfolgen und ihm den dazu nötigen Freiraum gegeben hat, dann wäre er nicht der erfolgreiche Autor geworden, der er ist. Doch von einem auf den anderen Tag verschwindet Esther plötzlich. All ihre Kleidungsstücke und ihre persönlichen Wertgegenstände hat sie zurückgelassen. Das einzige, was fehlt, ist ihr Reisepass. Doch was ist mit ihr geschehen, wurde die Journalistin während ihrer Recherche entführt oder hat sie ihn gar verlassen? Nach einigen quälenden Stunden im Polizeipräsidium, während derer der Protagonist seine Unschuld am Verschwinden seiner Gattin beweisen muss, macht er sich auf die verzweifelte Suche nach seiner Frau und erfährt dabei auch einiges über sich selbst.
Während einer Buchpräsentation lernt er den jungen Mikhail kennen, der ein guter Freund seiner Frau war. Natürlich schließt er direkt, dass seine Frau eine Affäre mit Mikhail haben muss und ihn vermutlich wegen dieses „Jungen“ verlassen haben muss, doch Mikhail steht tatsächlich in einer rein freundschaftlichen Beziehung zu Esther. Er führt den Autor auf eine spirituelle Reise, in der er die wahre Bedeutung von Liebe, bzw. Nicht-Liebe, kennen lernt und erkennt, dass Esther und er „wie zwei Eisenbahnschienen“ nebeneinander gelebt haben und sich auf diesem Weg immer mehr voneinander entfernt haben. Durch Mikhail lernt er Esther wesentlich besser kennen und verstehen. Mikhail führt ihn in eine Welt, mitten in Paris, die er noch nie wirklich wahrgenommen hat, und die einen großen Eindruck auf ihn macht.
Schließlich findet der Protagonist wieder zu sich selbst und ist bereit sich auf den Weg zu seinem „Zahir“ zu begeben.
In einer wunderbaren Sprache beschreibt Coelho in seinem neuen Roman Der Zahir die Suche nach einer verloren geglaubten Liebe und gleichzeitig auch die Suche eines egozentrischen Schriftstellers nach sich selbst. Der Protagonist wirkt zunächst sehr oberflächlich und egozentrisch, doch kann der Leser förmlich miterleben, wie die verschiedenen Begegnungen mit Mikhail und seiner Gruppe den Protagonisten immer mehr erweichen und zu einem weltoffenen Menschen werden lassen, der nicht mehr ausschließlich auf sich selbst und seinen Zahir beschränkt ist.
Auch wenn der Schluss des Romans, an dem das Wiedersehen mit Esther ansteht, doch etwas unrealistisch und gekünstelt wirkt, ist der Roman durchweg lesenswert und von Anfang bis Ende wirklich fesselnd.
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Paulo
Coelho Der Zahir (Originaltitel: O Zahir) Aus
dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann Diogenes Verlag 342
Seiten, EUR 21,90 ISBN 3-257-06464-0