"Wenn du jung bist, willst du die Welt verändern. Wenn du älter bist, soll die Welt wieder so sein, wie sie war, als du jung warst."
In neunzehn Episoden erzählt Alvin Rakoff nuke_stories aus der Baldwin Street, einer Straße in Toronto, Kanada, in der in den dreißiger Jahren fast ausschließlich jüdische Einwanderer leben. Erzählt ihre komischen, rührenden und tragischen nuke_stories. Über das Erwachsenwerden und das Leben.
Zum Beispiel über die aus gebleichten Zuckersäcken genähten Schürzen, die im Geschäft der Abelsons zum Verkaufsschlager werden, über die rasante Kutschfahrt durch das Universitätsgelände, über den Textilhändler Danzicker, der seine Buchhalterin verdächtigt, hinter seinem Rücken Geld zu hinterziehen. Über Murray, der abends Frauenkleider trägt, über den seltsamen Professor Menasha, und über Manzi, den nicht-jüdischen Bananenhändler, und seinen ausgefallenen letzten Wunsch.
Doch das Leben in der Straße bleibt nicht lange so beschaulich. Der in Europa durch die Faschisten propagierte Rassenhaß macht auch vor der Baldwin Street nicht halt, Prügeleien häufen sich, und während einer eskalierten Schlägerei wird der vierjährige Bernie von einem Streifenpolizisten auf dem Motorrad überfahren. Dieser entpuppt sich als reuloser Rassist, doch der Zwischenfall und auch seine antisemitischen Äußerungen bleiben ohne Folgen für seine Karriere.
Die Eltern des kleinen Bernie indes wollen der Trauer um ihr Kind ein schmerzloses Ende setzen, doch alles kommt anders...
Rakoff malt farbenfrohe, rührende Bilder, erzählt die kleinen nuke_stories rund um die Menschen in der Baldwin Street in lebendiger Sprache und mit viel Liebe zum Detail. Doch die episodenhafte Erzählweise wirkt anfangs ermüdend, zu unzusammenhängend sind die Kapitel; erst im letzten Drittel gelingt es dem Autor, eine zusammenhängende Spannungskurve aufzubauen.
Alvin RakoffBaldwin Street
Aus dem Englischen von Walter Ahlers
255 Seiten, Albrecht Knaus Verlag
ISBN 3-8135-4018-9
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