Im ersten Moment mag es etwas abstoßend wirken. Nicht nur die Coverabbildung mit den beiden Füßen und dem kleinen Zettel am rechten Zeh, sondern auch der Titel, mit dem der Eichborn Verlag ein neues Lexikon, genauer gesagt das Lexikon der letzten Worte auf den Markt gebracht hat.
"Man hätte gerne eine Sammlung der letzten Worte berühmter Männer", schrieb Chateaubriand in der Überzeugung, dass ein bedeutender Mensch nicht ohne ebensolche Worte aus dem Leben scheidet. Werner Fuld hat sich in dem Lexikon der letzten Worte auf die Suche nach den sprachlichen Vermächtnissen berühmter Menschen gemacht und so manch "End-sätzliches" und Entsetzliches, Rührendes, Komisches und Nachdenkenswertes gefunden.
Tatsächlich haben viele berühmte Menschen schon zu Lebzeiten überlegt, welche auf dem Sterbebett gesprochenen Sätze sich in das Gedächtnis der Menschheit eingraben sollen. Manchmal scheint es dabei so, als sei das Grübeln über die eigenen letzten Worte ein Privileg derjenigen, die sonst nichts zu tun haben. Doch für viele war und ist der Tod ein Schritt in eine unbekannte Welt. Die letzten Worte galten somit als "Schwellenwörter", gesprochen noch im Diesseits, aber mit einer leisen Ahnung des Fremden, Göttlichen. Selbstredend ging dabei einiges schief. Manche, die der Meinung waren, dass das Sterben als die erste Vorbedingung für die Unsterblichkeit wenigstens stilsicher geschehen sollte, scheiterten teuflisch an dessen Banalität.
Walt Whitman suchte sein ganzes Leben nach den geeigneten Worten und starb dann mit einem irdischen "Scheiße" auf den Lippen. Auch Theodore Dreiser ging es nicht viel besser. "Schakespeare, I come!" sollte sein letzter Kollegengruß lauten, doch sein Tod war überschattet von den viel sympathischeren Worten "Ein Helles!" Neben Henry Palmerstons (Fehl-)Einschätzung "Sterben, mein lieber Doktor, ist das letzte, was ich tun werde", findet sich auch Humphrey Bogarts Erkenntnis "Ich hätte nicht vom Scotch zu den Martinis wechseln sollen".
Werner Fuld hat in seinem Lexikon der letzten Worte die allerletzten Sätze berühmter Menschen gesammelt, und wunderbare, unterhaltsame Miniaturen verfasst, die humorvoll und mit leichter Hand erzählt sind.
Den letzten Worten berühmter Menschen wird eine besondere, visionär Bedeutung beigemessen. Schon Montaigne vermutete, dass man im Angesicht des Todes die Wahrheit sagt, denn mit einer Lüge brächte man sich um die Gnade Gottes. Man erhoffte sich erhabene Worte von den Klassikern, aber das lesenswerte Buch belehrt den Leser eines besseren. So verschied Schiller z.B. mit einem rätselhaften "ludex!" auf den Lippen, wohingegen Goethes letzte Äußerung keineswegs das viel- und gern zitierte "Mehr Licht!" war, sondern eine Aufforderung an seine Schwiegertochter: "Frauenzimmerchen, gib mir dein Pfötchen." Fuld folgt jedoch nicht nur den Lebensspuren der Dichter und Denker, sondern u.a. auch Henry Palmerrston, Gustav Mahler und anderen.
Werner Fuld Lexikon der letzten Worte
Letzte Botschaften berühmter Männer und FRauen von Konrad Adenauer bis Frank Zappa
216 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN 3-8218-1618-X