Rätselhafte Mordserien schockieren und fesseln die Menschen zugleich. Während sich die Täter sicher fühlen, tappt die Polizei lange im Dunkeln.
Die Aufklärungsquote ist bei Serienmorden gegenüber anderen Tötungsdelikten geringer. Ermittlungen im Umfeld der Opfer und Untersuchungen von Tatortspuren erweisen sich als wenig erfolgversprechend, denn ein näherer Kontakt zwischen Opfer und Täter scheint es auf den ersten Blick oft nicht zu geben. Auch die Motive fehlen.
In den USA analysieren Profiler des FBI aus Fingerabdrücken, Kleidungsstücken und Verletzungen an der Leiche den Tathergang und das Motiv. Der führende deutsche Serienmordexperte Stephan Harbort behauptet jedoch, dass sich die Methoden des FBI nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen ließen.
In mehrjähriger Arbeit untersuchte er sämtliche in Deutschland bekanntgewordenen Mordeserien seit 1945. Aufbauend auf gemeinsamen Merkmalen überführter Täter entwickelte Harbort das theoretische Modell eines sogenannten "Ideal-Mörders". Anhand von Checklisten kann so der Kreis potentieller Tatverdächtiger besser eingegrenzt werden. Harborts Methode zur Erstellung von empirischen Täterprofilen hat eine Erfolgsquote von 81,8 Prozent und sorgte europaweit für Aufsehen.
In seinem Buch schildert der Düsseldorfer Kriminaloberkomissar eindrucksvoll den Schrecken und die Faszination von Seriemorden. Aber es ist weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Fällen, den das Buch mit den an den Kinoschocker angelehnten Titel vermitteln möchte. Was fasziniert die Menschen daran? Kriminalroman und Fernsehserien, die sich mit den psychologischen Aspekten des Falls und der Täter beschäftigen, finden reißenden Absatz und haben hohe Einschaltquoten (z.B. die engl. Kriminalserie "Für alle Fälle Fitz" (Original: Cracker). Das Buch liefert einen interessanten Einblick in die Psyche der Täter.
"Viele Täter wollen ein unbedingtes Machtgefühl auskosten", erklärt Harbort, der sich bei seinen Recherchen mit inhaftierten Serienkillern in Interviews auseinandersetzte.
Stephan Harbort Das Hannibal-Syndrom
Phänomen Serienmord
Militzke Verlag, Leipzig, 352 Seiten
ISBN 3-86189-209-X