Bestseller, vor allem schlechte Bestseller, werden durchs Marketing gemacht. Da sind sich Marketing-Firmen völlig einig mit denen, die mangelnde Qualität der Bücher auf den Bestseller-Listen beklagen.
Vor allem Literaten wie Möchtegern-Schriftsteller wissen, dass es einzig der große Marketing Etat ist, der erklärt, warum soviel Schund erfolgreich ist - und warum das eigene Buch kein Bestseller wird.
Doch leider, liebe Autoren & Marketing-Agenten, so einfach ist es nicht.
"Ein amerikanischer Physiker hat nun eine Formel entwickelt, mit der sich der Erfolg von Filmen an der Kinokasse berechnen lässt. César Hidalgo von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana beschränkte sich dabei auf drei Faktoren:
die Größe des Publikums, an das sich der Streifen richtet,
den stark vom Marketing beeinflussten Wunsch des Publikums, den Film anzuschauen,
die Resonanz bei den Zuschauern, die das Werk schon gesehen haben.
Laut Hidalgo spielt vor allem der letzte Punkt, die Reaktion der Zuschauer, eine entscheidende Rolle. Per Mundpropaganda würden Leute, die sich einen neuen Streifen angesehen haben, für Erfolg beziehungsweise Misserfolg sorgen. Ein mit großem Werbeetat gepushter Film erreiche zwar in den ersten Tagen ein großes Publikum. Wie sich die Besucherzahlen danach entwickelten, hänge jedoch vor allem davon ab, was über den Film erzählt werde." ( Spiegel Online vom 16.6.2005)
Ganz so neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Dass Mundpropoganda die beste Propaganda ist, das wissen erfahrene Buchmarkt Lektoren schon lange. Allerdings hat es ihnen bisher keiner geglaubt. Zu schön war die Mär vom "erfolgreichen" Marketing, die die PR-Leute verbreiteten, zu gruselig finster die Verschwörungs-Geschichte der Literaten vom "bösen" Marketings, das dem Publikum faule Äpfel als süße Birnen verkaufe.
Nicht mal die Mathematik ist neu. Dass sich Bestseller wie ein Virus verbreiten, nämlich durch Ansteckung, dadurch, dass die Erstleser aller Welt verkünden: "Das ist ein tolles Buch", auch das wurde schon in Zahlen und Formeln gefasst. Und das Flops mit hohem Werbebudget sich dadurch auszeichen, sich kurzzeitig gut zu verkaufen (die Erstleser kennen das Buch ja noch nicht), um dann, wenn die Mundpropaganda losgeht, abzustürzen, ja auch das konnte man zum Beispiel an Thor Kunkels "Endstufe" verfolgen. Es kam raus, war bei Amazon auf den vordersten Plätzen zu finden - und stürzte von Tag zu Tag steiler ab.
Dabei gab es kaum ein Buch, das vor Erscheinen eine bessere Publicity hatte. Alle Welt ereiferte sich darüber, kein Feuilliton, das nicht darüber berichtete. Die Leute stürzten in die Buchhandlungen, um es zu kaufen. Die meisten erzählten anschließend: "Lass bloß die Finger davon." Ein Rat, der offenbar befolgt wurde.
Zum Buchmarketing gibt es übrigens ein sehr, sehr empfehlenswertes Buch "Kauf! Mich! Jetzt!" von Bernd Röthlingshöfer.
Redakteur: Hans Peter Roentgen
Rezension zu Bernd Röthlingshöfers "Kauf! mich! jetzt!"