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März-Kolumne PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Arthur, am 12-03-2003 03:47
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Okay, ihr lieben Leserinnen und Leser von Arthur’s Corner! Zurück zu den Büchern. Wir haben im März – Programm: Einen kauzigen Detektiv, der nach einem Kopfschuss in der Nervenheilanstalt landet, einen schiffbrüchigen Teenager, der einen Tiger zähmen will, ein ermordetes Mädchen, das im Geisterreich ihr Leben reflektiert, einen Studenten, der eine Biographie über einen blinden Maler schreiben will, Judith Hermann, die ein neues Buch vorlegt und einen Literaturpreis. 
Schade! Ja, genau! Schade! Jetzt hat sich doch tatsächlich der österreichische Ausnahmekrimiautor Wolf Haas dazu entschlossen, den Brenner, Detektiv und Antiheld zugleich in vielen seiner Romane, zum letzten Mal für Recht und Ordnung sorgen zu lassen, wobei sich der Leser das wahrscheinlich nicht vorstellen mag. Die schrullig – genialen Krimis mit dem kauzigen, etwas kaputten ( im neuen und letzten Roman ist dieser ziemlich kaputt ) Detektiv, dessen Vorgehensweisen nicht immer mit den Gesetzen einhergehen, der aber das Herz am rechten Fleck hat, haben mittlerweile eine große, über die österreichischen Grenzen hinausgehende Fangemeinde, deren Mitglieder wohl zum letzten Mal auf Seite eins, den Satz „Jetzt ist schon wieder was passiert“ lesen werden. Diesmal hat es den Protagonisten selbst erwischt, der nach einem überlebten Kopfschuss in einer Nervenheilanstalt landet und schon ziemlich bald der Überzeugung ist, dass es sich um einen Mordanschlag auf seine Person handelt, ganz der Meinung seiner Umwelt entgegengesetzt, die davon ausgeht, dass der Brenner Opfer seines eigenen Selbstmordversuchs ist. So werden die Leser eingeladen, beim Lesen von „Das ewige Leben“ (Rowohlt), über ein österreichisch – grazer Kuckucksnest zu fliegen, was ganz sicherlich mit Spaß und Spannung einhergehen wird. Ganz psychologisch, ja anthropologisch scheint es in Yann Martels, seines Zeichens neuer Shootingstar in der kanadischen Literaturlandschaft, Roman „Schiffbruch mit Tiger“ zuzugehen, wobei im Zusammenhang mit diesem Buch auch von einem Märchen gesprochen werden kann. Die Geschichte: Eine indische Familie und eine Menge Tiere sind mit einem Schiff unterwegs, in eine neue Welt. Die Familie will den Neuanfang, die Tiere sollen in einen Zoo, wobei die Passagiere in eine Katastrophe geraten. Es überleben ein Junge, ein paar Tiere, darunter ein Tiger. Es beginnt ein Überlebenskampf, gefochten auf einem Rettungsboot, der vor allem durch die Zähmungsversuche seitens des Teenagers gegenüber dem Tiger gekennzeichnet ist, wobei der Leser Wissenswertes über verschiedene Kulturen, Religionen und soziale Hintergründe des Protagonisten erfährt, aber auch über dessen Umgang mit Tieren, vor allem, da dieser Sohn ein Zoodirektors ist. Viel Stoff also, den es auf wenigen Quadratmetern eines Rettungsbootes, das auch die Wurzellosigkeit symbolisiert, die Migration durchaus mitbringen kann, zu finden gibt. Wie reizvoll es sein kann, reale Welten mit Parallelwelten zu konfrontieren, zeigt die amerikanische Schriftstellerin Alice Sebold eindrucksvoll in ihrem neuen Roman, der sich derzeit zu einem Bestseller mausert. „In meinem Himmel“ (Verlag Manhattan) handelt von einer Ermordeten, einem vierzehnjährigen Mädchen, das seine Geschichte aus dem Geisterreich erzählt. Was dieses Buch besonders brisant macht, ist die Tatsache, das die Autorin des Werkes selbst Opfer einer brutalen Vergewaltigung gewesen war, was natürlich das Leserauge auf die Frage wirft: Was ist Fiktion, was Autobiographie? Sebold wirft dabei einen haargenauen Blick auf das Umfeld ihrer Protagonistin, setzt sich dabei mit deren Pubertät und den Eheproblem ihrer Eltern auseinander, lässt aber auch die Persönlichkeit des – scheinbar verstörten, psychopathischen – Mörders zur Geltung kommen. Ein Student bekommt die Gelegenheit, eine Biographie über einen Blinden Maler zu schreiben. Zunächst erfolglos im Leben und jetzt mit Hindernissen konfrontiert, die von der Tochter des Malers in den Weg gelegt werden, steht dieser vor der neuen, nicht ganz so einfachen Aufgabe. Daniel Kehlmanns "Ich und Kaminski" (Suhrkamp Verlag) ist ein Buch, dessen Figuren unbequeme, problematische, darum auch interessante Charakterzüge aufweisen, wobei der Autor es nicht vermissen lässt, die Medienlandschaft aufs Korn zu nehmen. Ein Buch über ungewöhnliche Beziehungen.

Letztes Update: 12-03-2003 03:47

Veröffentlicht in : Magazin, Kolumne
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