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Dezemberkolumne PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Arthur, am 05-12-2002 08:17
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Weihnachten steht mal wieder vor der Tür und es hat schon fast den Anschein, dass es, was die Konsumbereitschaft der Menschen, Land auf sowie Land ab angeht, ein Fest der Traurigkeit werden könnte. Keiner hat mehr Geld. Wie schön, dass es doch Bücher gibt, noch schöner, dass es Taschenbücher gibt, deren Anschaffung, etwa im Gegensatz zum DVD – Player, relativ günstig sind, deren Inhalt zumeist von äußerster Wertigkeit sein kann. Und wessen Geldbeutel noch fester sitzt, einfach mal bei den Online – Auktionshäusern vorbeischauen, der Verfasser dieser Zeilen hatte da in der Vergangenheit auch das eine oder andere Schnäppchen auf diesem Wege gemacht. Das Phänomen der „Geldbeutelfestigkeit“ scheint sogar bis in die obersten Etagen der Verlage gedrungen zu sein und das ist schon bedenklich und befremdlich. So war es einem gewissen Verlag nicht möglich, literature.de ein Rezensionsexemplar von Kurt CobainsDie Tagebücher“ – aufgrund „schrumpfender Etats“ – zukommen zu lassen. Das ist wirklich schade! Da sich hier wirklich folgende Frage stellt: Gehen die Fälle Kurt Cobain und Nirwana nur die Feuilletonisten der etablierten Kultur- und Musikzeitschriften etwas an? Der Verfasser dieser Zeilen sieht schon jetzt den Klassenlehrer - sich gerade in seinen Fünfzigern befindend - vor seinem geistigen Auge, der in geistesblitzartiger Euphorie zu sich selbst sagt: „Jetzt weiß ich, warum die Jungs damals strähnige, schulterlange Haare hatten und den Sportunterricht verweigerten!“ Nein! Online – Magazinen nicht mehr mit Rezensionsexemplaren zu beliefern entbehrt jeglicher Logik, von der kulturellen angefangen und bei der marktstrategischen noch lange nicht aufgehört. Und weiter mit dem lieben Geld, das, so scheint es, an allen Ecken und Enden zu fehlen scheint. So forderten erst kürzlich, auf deren Herbsttagung, die Intendanten im Deutschen Bühnenverein, deren Tarifpartner im öffentlichen Dienst auf, zu einem bedachtsamen Lohnabschluss zu kommen. In einer Resolution der Intendanten wurde das Hauptaugenmerk auf die Befürchtung gerichtet, dass zu hohe Löhne in der Theaterlandschaft nur mit gleichzeitigem Abbauen von Arbeitsplätzen einhergehen könne. Eine, so die Verfasser der Resolution, existentielle Bedrohung des einzigartigen Theaterwesens im Lande, das schon in den vergangenen Jahren mit einem großen Stellenabbau zu kämpfen hatte. Die Kompliziertheit der Angelegenheit, die Kommunen, Länder und Bund betrifft, würde wohl um so mehr zutage treten, ließe man die Schauspieler und Bühnenarbeiter auch eine dahingehende Resolution verfassen. Kompliziert war und ist immer noch das Verhältnis zwischen Kuba und den USA. Und ausgerechnet auf dem Boden der Literatur geschieht eine Annährungen dieser beiden, sehr unterschiedlichen Länder. In den Jahren 1939 bis 1960 lebte Ernest Hemingway in Kuba, in einer kleinen Villa, nicht weit von Havanna gelegen. Im Keller jenes Gebäudes befinden sich immer noch Tausende von Fotos und Briefen, einige Romanentwürfe und einige Romananfänge des Literaturnobelpreisträgers. Um diese Erinnerungstücke, aber auch um die anderen Gegenstände in der Villa und um das Gebäude selbst, wollen sich die beiden Staaten kümmern. Es geht um Restauration, Erhaltung und Literaturforschung. Das entsprechende Abkommen unterzeichneten der kubanische Staatschef Fidel Castro und der amerikanische Abgeordnete James McGovern. Es ist die berühmte Rockefeller – Stiftung, die jenes Unterfangen finanziell unterstützt. Ausführende Organe des Restaurations- und Forschungsvorhabens sind das amerikanische Social Science Research Council und das kubanische National Council of Patrimony. Schon seit 1961 – das Jahr indem sich Hemingway erschoss, worauf dessen letzte Ehefrau Villa und Inhalt der kubanischen Regierung überlies – unternehmen die dortigen Kuratoren größtmöglichste Anstrengungen, jenes Erbe originalgetreu zu erhalten. Man darf auf die baldige Welle von literarisch sowie biographisch thematisierten Publikationen, die sich mit dem amerikanischen Autor, aufgrund der neuen Möglichkeiten, beschäftigen werden, gespannt sein. Zweiundachtzig und kein Ende? Für den Literaturkritiker Marcel Reich Ranicki schon, aber nur, was seine derzeitige Fernsehambitionen angeht; vorerst. Noch einmal „Solo“ für das ZDF, dann soll mit diesem Format Schluss sein. Es gäbe viel anderes zu tun. Buchprojekte und Besprechungen für Zeitungen, da bliebe keine Zeit mehr für das Fernsehen. Und doch arbeiten Fernsehmacher an einer neuen Ranicki – Sendung, die schon im kommenden Jahr über die Bildschirme flackern soll. Dann aber, so wird gemunkelt, nicht mehr in der „Solo“ – Häufigkeit, sondern ungefähr alle zwei Monate, wobei das Konzept der neuen Sendung noch nicht feststeht. Im Schnitt sahen bei den Ausstrahlungen der „Solo“ – Sendungen um die siebenhunderttausend Zuschauer zu, was durchaus als gutes Abschneiden kategorisiert werden kann. Dennoch, so der Literaturkritiker, sei es schwer gewesen, alle vier Wochen mit begeisterungsfähigen Themen aus dem aktuellen Kulturbereich aufzuwarten, da sich in so kurzer Zeit wenig beigeisterungsfähiges, besonders im Literaturbereich, ereigne. Dennoch brauchen Ranicki – Fans kein Trübsal blasen: In den nächsten Monaten werden noch einige Publikationen, darunter Geschichts- und Gedichtsinterpretationen, des Kritikers erscheinen. Zudem arbeitet Ranicki weiterhin an seinem Vorhaben, seinem von ihm herausgegebenen Literaturkanon, dessen zweiter Teil im nächsten Herbst erscheinen soll. Darüber hinaus erscheinen Artikel und Essays von ihm in der FAZ. Der Traum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, der Kampf der Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie, der darin enthaltene Taumel von Einzelschicksalen auf der einen, wie auch auf der anderen Seite, das ist der Romanstoff, aus dem „Die Macht des Volkes“ gewoben ist, ein Buch, das sich mit den Hintergründen und Wirren der Massenstreiks und blutigen Straßenkämpfen in Frankreich beschäftigt, die sich im Jahre 1871 ereigneten, in deren Mittelpunkt der revolutionäre Gemeinderat, die Pariser Kommune stand, die eine politische Totalumwälzung im Lande anstrebte. Jacques Tardi hat jetzt eine epochale Comic – Adaption des oben genannten Romans abgeliefert, der die Kritiker zu faszinieren scheint. Nicht nur, zeichnet er die Handlungsstränge spannend nach, sondern dessen Umgang mit der Aura des Milieus fällt ins Auge. Die Art und Weise, wie er die Städte und Landschaften, die Straßen und so weiter einfängt, lässt den damaligen Revolutionsgeist wieder aufatmen. Dazwischen kleine und große Geschichten, an deren Ende, nach 72 Tagen, die Niederlage der Kommunisten stand, wovon mehr als 20 000 mittels Erschießung hingerichtet wurden.  Das alles ist als Trilogie angelegt, wobei der erste Teil "Die Macht des Volkes - 1. Die Kanonen des 18. März" (Edition Moderne) schon zu erhalten ist. So, dass wars. Das Jahr 2002 geht auf das Ende zu, mit Weihnachten und Sylvester. Der Verfasser dieser Zeilen hofft auf ein tolles Wiedersehen im kommenden 2003. Ist schon seltsam, wie sich die Jahreszahlen lesen. Ist  das die Zukunft – etwa Science Fiktion? Minority Report vor der Tür? Nein, irgendwie nicht, sagt einer, der Kindheit in den Achtzigern, Jugend in den Neunzigern verbrachte und Online - Schreiber im technokraten, neuen Jahrtausend ist, die Cobains dieser Welt für die Klassenlehrer zurechtstutzend. In diesem Sinne: Lasst es euch da draußen, in PC – Monitorland gut gehen, viel Spaß beim Feiern, Geschenkeauspacken, Betrinken und Lesen. Bis dann! Arthur Coffin    

Letztes Update: 05-12-2002 08:17

Veröffentlicht in : Magazin, Kolumne
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